Brief

Von Friedrich Wilhelm Riemer (3. August 1813)

Gestern habe Theodor (F. T. Kräuter) das ersehnte Paket mit dem Manuskript von "Dichtung und Wahrheit" (3. Teil, 12.-14. Buch) gebracht. Schilderung der ersten Leseeindrücke. G.s Biographie lasse auch R.s Erinnerungen in neuem Licht erscheinen; erwähnt: J. H. Merck, J. M. R. Lenz, F. M. von Klinger, J. K. Lavater, J. B. Basedow, G.s Schwester K. Schlosser sowie der Prophet Mohammed. Dies seien die ungeheuerlichen Erzlager aller Art, die im Werther zusammengeschmolzen sind, die Intentionen von Mahomet, vom ewigen Juden u. s. w. Freude über das Wiedererscheinen von Personen aus den ersten Bänden, als der Schuster u. s. w. (J. F. oder J. G. Haucke). Die Passage über F. von Jacobi sei höchst rührend. - Über R.s Arbeiten am Manuskript, besonders einige Verdeutschungen und die Risse des Pfarrhauses, die nachlässig ausgeführt worden seien. Das 11. Buch sei bereits zur Druckerei gesendet. - Empfehlung an G., manchen Herbst u manches Frühjahr im neuen Bad in Berka zu verbringen. R. habe auf Drängen C. von Goethes den 1. August dort verbracht. Reflexionen über die dortige Landschaft. - K. von Knebel, der G. grüßen lasse, habe über die Zeitumstände eine Elegie in Lukrezischer Art u Ton verfaßt. Da R. sich vor Jena ein wenig fürchte, habe er dort noch keinen Besuch abgestattet. Dem Vernehmen nach sei dort unlängst der Verheißene angekommen (Geburt Bernhard von Knebels), u der alte Simeon sehr glücklich. - L. Wieland habe aus Wien das Manuskript von "Das Leben ein Traum" (nach Calderón, in der von F. H. von Einsiedel und R. für das Weimarer Theater vorgenommenen Übersetzung und Bearbeitung) für eine Aufführung erbeten, was ihm Einsiedel zugesagt habe. Da R. über keine weitere Kopie verfüge, werde er, mit G.s Einverständnis, Wieland bitten, das Exemplar, das die Kaiserin Maria Ludovika besitze, auszuleihen. - Hoffnung auf ein baldiges Treffen mit G.

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