Normalzeugnis Zeugnis
J. I. Gerning, Tagebuch 27. 4. 1795 (FDH)
Nach Jena ritt ich von Weimar am 22t. frühe 6½ Uhr ... Bey Göthe von 12 bis 3 Uhr gegessen, ihm das Grab u: Gleim gegeben, u: vor u: nach über die hiesige Hofschaft deutlich gesprochen. Er entfaltete mir die Umstände, u: empfahl mir als Negociateur nur grade u: plan nach den Verhältnissen zu urtheilen, rieth mir auch das Vonisiren, da ich doch gerne in dergl. schwebe u: mit solchen Leuten umzugehen habe. Indessen wolle er Luck sprechen u: mich ihm als Legatsrath anempfehlen. Sonst klagte Göthe über das Verkennen hier von Leuten (:Herder, Knebel pp) denen er doch Gefälligkeiten that |: Knebel beschwerte sich derb dagegen:| über das Rühmen der Clara Duplessis von Lafontaine, gegen seinen Meister pp. Eine Flamme könne man nicht so leicht verlöschen, u: weil hier keine Vereintheit zu stiften, so habe er sich an Schiller geschlossen u: will die Horen bestens fördern pp. Warum solle er auch ein Phänomen, (:die Kantische Philosophie:) an sich vorbey gehen lassen, wovon er das Resultat spielend in wenig Unterredungen sich eigen machte. Er würde auch älter, das Jugendfeuer verlösche, u: so schicken sich die tieferen Wissenschaften besser pp. Wie wenn er nun noch wolle einen Werther schreiben pp. Er faßte mich bey der Hand u: sagte: „Ich weiß was Ihr wegen mir wisset pp“ und ich mußte den Edlen herzl. umarmen ...
Noch eilte zu Göthe und fand da einen Brief von den l. Eltern.
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