Normalzeugnis Zeugnis
Caroline Herder an Herder 12. 12. 1788 (Düntzer6 S. 189)
Ich habe Deinen lieben Brief vom 22. November Montag den 8. d. erhalten ... Goethe kam den Abend ein wenig zu mir, um zu hören, was ich Gutes von Dir hätte. Er nahm an allem Theil, und besonders daß die Herzogin so artig gegen Dich ist. Die Göchhausen schrieb an die Stein und die Kalb viel Gutes von Dir, so wie sie an die Steinin von Deinem Mißverhältniß mit der Seckendorf ein Wort fallen ließ, und an andre vielleicht schon mehr darüber geschrieben. Kurz, Goethe erzählte mir, daß der Herzog ihn darüber befragt, und daß er nicht umhin gekonnt hätte, ihm die Wahrheit zu sagen. Darauf habe der Herzog gesagt: „Wenn Herder was braucht, so will ichs ihm geben.“ Goethe lehnte es aber ab und sagte: „Für diesmal muß Dalberg zahlen, und ist hierüber alles in Richtigkeit: wenn Sie aber zu einer andern Zeit etwas für ihn thun wollen, so thun Sies.“ Mich dünkt, diese Antwort war von Goethe ganz verständig und gut. Ich hoffe nicht, daß Du darüber ungehalten wirst. Jedermann weiß hier, daß Du nicht bei Dalberg wohnst und nicht mehr bei ihm issest, und es würde sonderbar lassen, wenn man gegen die wenigen, mit denen wir umgehen, ein Geheimniß daraus machen wollte. Goethe grüßt Dich herzlich. Moritzens Gegenwart thut ihm sehr gut, und er muß so lange hier bei ihm bleiben, bis Tasso fertig ist.
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