Normalzeugnis Zeugnis

Caroline v. Heygendorff, Erinnerungen (Bamberg 1, 96)

Zu Goethe trat ich nach dem Abschlusse meines Engagements in dieselbe Stellung, die ich in Mannheim dem Intendanten gegenüber eingenommen hatte. Die Unterhandlungen waren zwischen dem Hofkammerrat und meinem Vater geführt worden, wobei sich Goethe so steif und gerade verhalten hatte, wie er sich in seiner äußeren Erscheinung zeigte. Ich glaube auch nicht, daß ihm meine Akquisition besonders angenehm war, denn meine Stellung, mein Talent und meine Neigung entzogen mich der sklavischen Unterwürfigkeit, in der er die Theaterdamen sich gegenüber zu sehen wünschte, doch war sein Empfang, als ich ihn als engagiertes Mitglied zum erstenmal besuchte, überaus freundlich und verbindlich. In seinem Wesen lag eine gewisse Pedanterie, in seiner Haltung eine Steifheit, die in früheren Jahren die Jugendlichkeit trotz seines klassisch schönen Gesichts nicht zu voller Erscheinung kommen ließ; der schön geformte Mund, der an den Apoll von Belvedere erinnerte, konnte lachen, ohne freundlich zu sein, das große dunkle, scharf geschnittene Auge blieb immer ernst, selbst wenn der Mund lächelte, und störte die Harmonie, die bei weniger schönen Zügen so angenehm berührt, das Ganze imponierte, sprach aber nicht zum Herzen. Ich gestehe mit Beschämung, daß damals nur gemütliche Eindrücke über meine Handlungen entschieden und daß ich den nächsten Schritt nicht überlegte, auch will ich nicht verhehlen, daß ich von Goethes besten Werken damals noch nichts kannte, was mich hätte veranlassen können, ihm die gewohnte Huldigung darzubringen.

Bezüge im Wissensnetz

Teil von (2)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Fand statt in (1)

GZP-Knowledge-Graph

Geschaffen von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen