Normalzeugnis Zeugnis

Caroline Herder an Herder 1. 10. 1788 (Düntzer6 S. 108)

Wir sind über Deine Fahrt am Meer und noch mehr über Deine Heiterkeit der Seele, über alles erfreut gewesen ... Nur höre ich so beiläufig von Goethe, daß Ihr zu geschwind reiset, und das thut mir doch gar leid. Habt Ihr den Volkmann nicht bei Euch? In Bologna ist ein Raphael aus seiner Jugend, ein Stück, wie es nicht in Rom ist, ein Guido, ein Guercino, die man nicht einmal, sondern so oft sehen muß, als es möglich ist. An dem Eilen ist wohl niemand als die schöne Dame schuld ... Ich habe leider Dein Verbot übertreten – und habe Goethe die Sache erzählt. Ich glaube nicht, daß ich so ganz unrecht gethan habe; wirklich ist uns der Rath eines Dritten sehr nothwendig; und wie vortheilhaft und gut ist er für uns ausgefallen! Auch ist Goethe ja so sehr verschwiegen ... Goethe hat mir die erste Abtheilung seiner Gedichte gegeben; es sind gar schöne darunter, besonders zwei idyllenartig, die mir ganz vorzüglich gefallen. Ich habe recht vernünftig mit ihm darüber gesprochen; er wird auch an die Christel und Käthchen auf meine Bitte herauslassen.

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