Brief

Von Friedrich August Wolf (16. Oktober 1811)

Dank für G.s Brief; Begründung seines längeren Schweigens mit seinem Rückzug in Einsamkeit und litterarische Abgeschiedenheit. Bedauern, daß G. diesen Sommer Karlsbad noch vor W.s Reisebeginn verlassen habe; deshalb sei W. nach Teplitz gereist. Hier habe es aber nach der Abfahrt von Herzog Karl August von Sachsen-Weimar an interessanten Menschen gefehlt. - Wunsch, G. mündlich über seine Reisen des vergangenen Jahres in das liebliche Wien und das unerfreuliche München zu berichten, wo W. die Beschäftigung mit alten Handschriften und bibliothekarischen Seltenheiten bald wichtiger gewesen sei als die Menschen. - Über die Fertigstellung der Übersetzung von Aristophanes' "Wolken" und der Vorrede dazu. Hoffnung, daß W. Dorow das mitgegebene Exemplar G. überreicht habe (vgl. RA 6, Nr. 218). Interesse W.s an der Verbreitung des Buches unter vielen solchen Lesern. - Über W.s Tätigkeit in Berlin: Vorhaben, jetzt mehr zu schreiben, da das Gesagte schlecht verstanden werde und W. als Angehörigem der Akademie der Wissenschaften und Nebenhelfer der Universität mehr Zeit zur Verfügung stehe. Andererseits entgingen ihm manche Informationen, z. B. über die Entwicklung der hiesigen Stiftungen; dabei erwähnt: der preußische König. - Zu Fichtes Antrittsrede als Prorektor ("Über die einzig mögliche Störung der akademischen Freiheit"), deren Accente W. zu kräftig seien. W. selbst halte wol tägl. 1 Stunde Vorlesung. Er lege ein Programm in Berlinischem Deutsch für F. W. Riemer bei ("Zu Platons Phaedon"); erwähnt: L. F. Heindorfs Edit. ("Platonis Dialogi") und die Wyttenbache (? D. Wyttenbach "Platonis Phaedon"). - Bereitschaft W.s, den von G. empfohlenen A. Schopenhauer, der die Philosophie in Berlin wohl rein genießen wolle, durch Rat und Umgang zu unterstützen. - Bitte um baldige Zusendung der für W. aus Karlsbad mitgebrachten Bücher (vgl. RA 6, Nr. 256), die ihm größtenteils nicht gehörten; besonders erwähnt: die wäßrige Übersetzung des Plutarch (J. F. S. Kaltwasser "Moralischen Abhandlungen"). - Empfehlung an G.s Frau und Sohn.

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