Normalzeugnis Zeugnis
Caroline Herder an Herder 22. 9. 1788 (Düntzer6 S. 88)
Ich schreibe Dir heute schon wieder; die Affaire des Geldes kränkt mich aber je länger je mehr. Je länger ich darüber denke, je unedler und niedriger finde ichs, daß Dich Dalberg bezahlen läßt. Er hat Dir die Reise angetragen, er wußte so gut als wir, daß Du nicht in der Verfassung bist, eine Reise nach Italien zu unternehmen, noch weniger mit ihm al Barone zu bezahlen. Unsre Gutheit spielt uns eben immer üble Streiche, und in der ersten Aufwallung und Theilnehmung an Deinem Verdruß, dachte ich, ich könnte und müßte Dir Geld schaffen, wenn auch gleich zu unserm Nachtheil. Die Sache wird mir aber je länger je wichtiger; ich habe daher gegen Dein Verbot gehandelt, und in Zeiten, ehe wir etwas durch gutherzige Uebereilung verderben, Goethe um Rath gefragt. Wie ihn das ganze Betragen indignirt hat, kann ich Dir nicht sagen. An dem allen ist freilich niemand als die Seckendorf schuld; Dalberg selbst ist aber äußerst schwach, daß er Dein Anerbieten des Mitbezahlens angenommen hat. Jetzt müssen wir darauf denken, daß wir in kein größeres Labyrinth kommen ohne unsre Schuld. Das Resultat unsrer Berathschlagung hierüber ist dieses. Das Geld, was ich Dir diesen Winter bis Ostern ersparen kann, –müssen wir als einen Hinterhalt zu Deiner Rückreise aufheben. Du selbst mußt nun mit Dalberg mündlich und allein, nur um Gottes willen nicht schriftlich, durch einen Brief etwa, sprechen, ihm ungefähr dies sagen: „Du hättest die Reise auf sein Anerbieten mit ihm unternommen. Er wüßte so wohl als Du, daß Du nicht mit Frau und sechs Kindern in dem Verhältniß wärest, eine solche Reise auf Deine Kosten zu thun. Du sowohl als alle Deine Freunde hier sind in der Meinung gewesen, daß Du auf seine Kosten mitreißest. Er selbst war es gewiß nicht anderes Sinnes, da er in Augsburg alles zu zahlen übernommen hat. Da nun die Reise durch den Beitritt der Frau von Seckendorf so hoch gekommen, so hättest Du freilich aus übergroßer Gutmüthigkeit Deinen Theil daran mitbezahlt; Du müßtest ihm aber sagen, daß Du Dich nicht darauf eingerichtet hättest, auch nicht in der Verfassung seiest, Dir von Hause Geld kommen zu lassen. Indessen wenn es seine Meinung sei, daß Du bezahlen sollst, so müsse er Dir aus seiner Kasse so viel leihen, als Du brauchst, und Du würdest ihm solches nach Deiner Heimkunft nach und nach abtragen.“ ... Goethe behauptet, Dalberg müsse einen unbedingten Creditbrief mithaben, anders hätte er die Reise nicht unternehmen können. Sie sind eben wie Kinder, sagte er, die einen Spinnrocken anzünden, und wenn er dann brennt, darüber erschrecken. Ja ich weiß am besten, was es für Geld kostet, und obendrein ein Weib mitzuführen ist lächerlich, kostspielig, und macht weder Spaß noch Nutzen ...
Findest Du für nothwendig, von Dalberg zu ziehen, mehrerer Ersparniß wegen, so ist das Zimmer, das für den Kayser bestimmt war und worinnen Goethe logirt hat, noch ledig. Da könntest Du, wenn Du auch mit ihnen zu Tische gehest, was Merkliches ersparen, und mit Bury kannst Du das alles abmachen. Goethens Freunde werden Dir dort mit Rath und That an Hand gehen, wenn Du Zutrauen zu ihnen hast, sagt Goethe. – Die Rückreise hat den Goethe 500 Rthl. gekostet; Dich wird sie nicht um einen Pfennig weniger kosten; die 100 Rthlr., die darüber sind, gehen für einige Liebhabereien zu kaufen drauf ...
Von der Gesundheit der Frau von Frankenberg sagt Goethe, daß sie auf gutem, sicherm Wege sei.
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