Normalzeugnis Zeugnis

H. E. G. Paulus, Göthe und Paulus (Reichlin-Meldegg 1, 335)

Lebhaft gegenwärtig ist mir noch der Augenblick, wo ich Göthe das erstemal sah. Zufällig ging ich mit meiner Frau auf einem Morgenspaziergang durch das Schloß zu Jena, wo die Büttner’sche Raritätenbibliothek und die physikalische, von Göthe geförderte Sammlung, welche der Stifter der naturforschenden Gesellschaft, der meist auf das Materielle beschränkte Professor Lenz, durch ausgebreitete Correspondenz glücklich zu mehren wußte, im untersten und obersten Stockwerke aufgestellt waren, die mittlere Etage aber für Besuche von Hof frei war, so daß dort besonders Göthe oft abzusteigen pflegte. Wir wußten, daß Göthe noch nicht lange vorher von seiner fruchtbarsten Durchreise Italiens zurückgekommen war. Mitten im Hofe trat uns ein kräftig Daherschreitender nahe. Er redete uns forschend an. Ich blickte in sein heiter ernstes, vom Morgenlicht beleuchtetes Gesicht. Unmittelbar sprach sich in mir der Gedanke aus: „Ein Apollokopf! Ein ächter Apollokopf im Uebergang ins kräftigste Mannesalter!“

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