Brief
An Adam Friedrich Oeser (17. Februar 1783)
Hier überschicke ich werthester Herr Profeßor abermal etwas, was ich leyder zu lange schuldig geblieben. Sie sehen wenigstens hieraus den guten Willen, nach und nach meine Gläubiger zu befriedigen. Durch der Herzog wartet sehnlich auf die versprochene Zeichnung des Brunnens. Schon sind Steine und Erdschollen in iener Gegend lange lebendig; rechnen Sie ia drauf auf das erste Frühiahr hierher zu kommen, denn man vertraut nun niemand mehr die Titanischen Unternehmungen als Ihnen. Leben Sie recht wohl und gedenken Sie meiner im besten. Braune Farbe ist genug gekocht, leyder muß der Pinsel ruhen, und das friedliche Geschäfte Rähmchen zu machen, wird auch hintan gesezt. Der akademische Feldzug des Herzogs von Würtemberg hat uns auch einige Tage in Bewegung gebracht.
Weimar den 17 Febr. 1783.
Goethe
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