Normalzeugnis Zeugnis
C. A. Schlüter an Chr. B. Schlüter 23. 8. 1822 (Trunz S. 457)
Wir haben dieser Tage den 5ten Theil der 2ten Abtheilung aus Göthens Leben gelesen ... In Münster war er bei der Fürstinn Gallitzin, wo er mit außerordentlicher Liebe behandelt wurde; auch hat er keinen Aufenthalt mit solcher Liebe beschrieben wie diesen. Ich habe dieser Tage mit dem Professor Katerkamp u. Kistemaker darüber gesprochen, welche damals mit Göthe mehrmals bei der Fürstinn gespeiset haben; er hat immer die ganze Tafel auf das Brillanteste unterhalten, vorzüglich über die Römischen Prozessionen u. Kirchenfeste, wodurch er den Prof. Kistemaker zu der Frage an die Fürstinn veranlaßte, ob dann Göthe katholisch wäre! Seine Beschreibung des Karnevals von Venedig und der Art wie dort die Prozeße vor Gericht plädirt wurden, hat den allgemeinsten Beifall gefunden. Es wäre höchlich zu wünschen, daß Göthe noch lange Jahre gesund bliebe, um uns noch so manche individuelle Zustände zu beschreiben, worin er ein so großer Meister ist. Kistemaker hält gar nicht viel von ihm, welches jedoch wohl zu begreifen ist, da er so ganz verschiedene Ansichten von Lebensgenuß u. Lebenszweck hat.
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