Normalzeugnis Zeugnis
Reise in die Schweiz 1797. Frankfurt, den 18. August 1797 (WA I 341, 239)
Ich besuchte gestern den Theatermahler, dessen Werke mich so sehr entzückt hatten, und fand einen kleinen, wohlgebildeten, stillen, verständigen und bescheidnen Mann. Er ist in Mailand geboren, heißt Fuentes, und als ich ihm seine Arbeiten lobte, sagte er mir: er sei aus der Schule des Gonzaga, dem er, was er zu machen verstehe, zu danken habe. Er ließ mir die Zeichnungen zu jenen Decorationen sehen, die, wie man erwarten kann, sehr sicher und charakteristisch mit wenigen Federzügen gemacht und auf denen die Massen mit Tusche leicht angegeben sind. Er zeigte mir noch verschiedne Entwürfe zu Decorationen, die zunächst gemahlt werden sollen, worunter einer zu einem gemeinen Zimmer mir besonders wohlgedacht schien. Er ließ mich auch die Veränderungen bemerken, die zwischen den Zeichnungen und den ausgeführten Decorationen zu Palmira sich fanden. Es ist eine Freude, einen Künstler zu sehen, der seiner Sache so gewiß ist, seine Kunst so genau kennt, so gut weiß, was sie leisten und was sie wirken kann. Er entschuldigte verschiednes, das er an seinen Arbeiten selbst nicht billigte, durch die Forderungen des Poeten und des Schauspielers, die nicht immer mit den Gesetzen der guten Decoration in Einstimmung zu bringen seien.
Bei Gelegenheit der Farbengebung, da bemerkt wurde, daß das Violette bei Nacht grau aussehe, sagte er: daß er deßhalb das Violette, um ein gewisses leuchtendes und durchsichtiges Grau hervorzubringen, anwende. Ferner, wie viel auf die Beleuchtung der Decorationen ankomme.
Es ward bemerkt, welch eine große Praktik nöthig sei, um mit Sicherheit einer studirten Manier die Farben aufzusetzen, und es kam nicht ohne Lächeln zur Sprache, daß es Menschen gebe, die von einem Studio, wodurch man zur Gewißheit gelangt, so wenig Begriff haben, daß sie die schnelle und leichte Methode des Meisters für nichts achten, vielmehr denjenigen rühmen, der sich bei der Arbeit besinnt und ändert und corrigirt. Man sieht die Freiheit des Meisters für Willkür und zufällige Arbeit an.
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