Normalzeugnis Zeugnis

J. W. Appell, Überlieferung d. Familie André (Frankfurter Konversationsblatt 1847 Nr. 263 S. 1049)

Lili Schönemann hielt sich im Frühling des Jahres 1775 zu Zeiten in dem Landhause ihres Oheims Bernard zu Offenbach auf ... André, unerschöpflich in Gesängen und Schwänken zum Clavier, ließ sich dann oft bis der Nachtwächter die zwölfte Stunde abrief, von den Liebesleutchen an’s Clavier fesseln, wodurch sie sich eines längeren Beisammenseyns erfreuen konnten. Überhaupt wird noch mancher harmlose Zug aus dieser Periode von dem Dichter erzählt, der damals noch an der ganzen lyrischen Zerfahrenheit der Jugend litt. Bei einer dämmernden Mondnacht hat er sich einst in weiße Lacken gehüllt und so auf hohen Stelzen in dem Städtchen herumschreitend – Goethe war nämlich in seiner Jugend ein sehr geübter Stelzengänger – vielen Leuten zu den Fenstern des ersten Stockwerkes hereingeschaut, daß Jene ein panischer Schreck befiel ob der langen, weißen, geisterhaften Gestalt. Ein anderes Mal, bei der Taufe des ... Hofraths Anton André, saß die ganze Gesellschaft bei dem Kindtaufschmause. Da tritt Göthe nach kurzer Entfernung mit einem verdeckten Gericht herein, das er schweigend auf den Tisch setzt. Und als man später die Serviette von der Platte hob, lag der kleine Täufling, sorgsam eingewickelt, darin.

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