Tagebucheintrag

Reisetagebuch Schweiz 1797 (Teil 3), 28. September 1797

Donnerstag den 28ten Septembr. 97. Um 8 Uhr von Stäfe, zu Schiffe. Glanz der Wolken über dem Ende des Sees, Sonnenblick auf Richterswiel und den nächsten Höhen. Nebel und Wolken über dem untern Theil nach Zürch zu. In der Mitte des Sees ist die Aussicht hinaufwärts sehr schön, man sieht Stäfe, Raperswiel, die Berge von Glarus, die überein- ander greifenden Vorgebürge hinter und zwischen denen der Wallenstädter See liegt, die Uffenau auf der Wasserfläche, dann den Theil des Ufers mit seinen Bergen zum Kanton Schwitz gehörig (der Buchberg) und so weiter herab bis Richterswiel. Dieser Ort liegt sehr artig, gleich hinter ihm steigen fruchtbare Höhen auf, ehe man landet sieht der obere Theil des Sees sehr weit und groß aus, Hintergrund und Seiten, wie sie schon be- schrieben sind, machen sich sehr mannigfaltig. In 3/4 Stunden fuhren wir hinüber. Der Ort ist hübsch gebauet, sehr große Wirthshäuser, ein neues mit Bädern. Eine freundliche Rhede, die Schiffahrt ist lebhafft, die meisten Producte aus dem Canton Schwitz werden hierher geschafft und weiter Transportirt, indem Schwitz selbst keinen Hafen hat und einen anzulegen von Zürch verhindert wird. Auch hat der Ort durch die Pilger die nach Einsidel wallfahrten viel Zugang, diesen Sommer war eine grose Anzahl durchgegan- gen, sehr viel aus Schwaben, wahrscheinlich wegen Gelübde in der Kriegsgefahr. Wir gingen Richterswiel hinauf und fanden mehrere neue Häu- ser. Am Wege fanden wir die grauen und rothen Platten und andere entschiedene Breccien zum Gebrauche hingeschafft. Die grauen Platten haben in ihren Abwechslungen viel Aehnlichkeit mit der harzer grauen Wacke, indem sie bald porphyr bald brec- cienartig erscheinen. Wir stiegen höher, schöne Seeansicht, Feld und Obstbau fährt fort, mehr wiesen treten ein. Auf der Höhe, in einer flachen Vertiefung, die ehemals voll Wasser gestanden haben mag, guter Torf. Immer schöne reinliche Häuser zwischen den Besitzungen. Man sieht nun mittagwärts in ein hinteres, gleichfalls frucht- bares Thal, hohe Nussbäume. Windstürme, die an dieser Seite anschlagen und wieder gegen Stäfe zurückprallen. Wir verließen die gepflasterte Fahrstraße, der Fußpfad führt an einer Reihe von 10 Eichen vorbey, Trifft- platz, herrliche Aussicht nach dem See und rings um in die fruchtbaren Thäler, in Süden ein hoher mit Wald bewachsner, Berg. Nun wird es schon etwas rauher Trifft, Binsen, Farrnkraut, doch schöne Kirschbäume. Die graue Wacke scheint die Hügel zu bilden. Ausgestochne Torfflächen. Man sieht wie durch Binsen, Haide und dergleichen sie wieder nach und nach sich ausfüllen und anwachsen können. Der Weg, den man in der Mitte gelas- sen, zeigt von der Güte des ehemaligen Torfes. Wir fanden einen schönen Mandelstein als Stufe. Wiesen, Frucht und Kartoffelbau. Man wechselt so mit Benutzung des Bodens um. Hüttner See, nicht groß, er hat gute Fische und Krebse, liegt rechter Hand. Steht man darüber so sieht das Gebirge das man überstiegen hat wie eine Erdenge zwischen diesem und dem Zürcher See aus. Um 10 kamen wir in Hütten an. Landrichter Bär Medicus und Chirurgus. Man sprach von der jährlichen Ausführung der Kühe nach Ita- lien, man kann etwa 3000 rechnen, höchstens fünfjahrige, das Stück von 10 zu 16 Louisd'or. Gegenwärtig fürchtet man ein Verbot da in Italien eine Seuche sich zeigen soll. Es ward auch von der Wein ausfuhre gesprochen, die gegenwärtig sehr stark nach Schwaben ist, es haben sich schon Käufer zu dem diesjäh- rigen Wein am Stock gemeldet. Um 2 Uhr ab Es war ein schöner Moment. Von der Höhe den Hüttner und Zürchsee, mit dem jenseitigen Ufer des letztern zunächst die mannigfaltigen mit Wäldern Frucht Obstbau und Wiesen ge- schmückten Hohen und Thäler zu sehen. Bis nach der Stadt zu war alles klar, so wie hinaufwärts gegen Stäfe, Raperswiel, bis in die Gebirge von Toggenburg. Herr Pfarrer Beyel von Hütten begleitete uns. Als wir schöne Stechpalmen bemerkten, sagte er: daß er auf dem Berge rechts einen starken Stamm, wie ein Mannsschenkel, etwa 12 Fuß hoch gefunden habe. Wir kamen an den Grenzstein zwischen Schwitz und Zürch. Man sagt die Schwitzer haben den Aberglauben wenn sie mit dem Stocke an die Seite des Zürcher Wappens schlagen daß es der ganze Kanton Zürch übel fühle. Man sieht rückwärts die ganze Reihe des Albis, so wie, nach den freyen Aemtern zu, die niedern Gebirgsreihen,600 an denen die Reus hinfließt der Anblick ist jenen Gegenden sehr günstig. Auf dem Weg scheint das Gebirg grobe Breccie zu seyn und die Kalkfelsen, die hie und da aus dem Grase heraussehen, herab- gestürzt. Man sieht Utznach liegen und die Aussicht nach dem obern Theil des Sees wird immer schöner. Rechts des Fuß- steiges ist eine Art von natürlichem Wall hinter dem die Sil herfließt. Dem ersten Anblicke nach sollte es an einigen Stelle nicht große Mühe und Kosten erfordern den Hügel mit einem Stollen zu durchfahren und so viel Wasser als man wollte, zu Wässerung und Werken, in die unterhalb liegende Gegend zu leiten, ein Unternehmen, das freylich in einem demokratischen Cantone und bey der Complikation der Grundstücke, die es be- treffen würde nicht denkbar ist. Man wendet sich nach Schindeleggi hinein, die Aussicht ver- birgt sich, man kommt über die Sil, über eine holzerne Brücke. Man kommt in ein wildes Thal, dessen Seiten mit Fichten be- wachsen sind, der reißende steinige Silfluß bleibt links. Die Felsen sind ein feinerer Sandstein, der in gröbere Breccie übergeht. Man ist gleich in einer andern Welt. Man erhebt sich rechts auf kahlen Trifften über das Silthal. Man kommt an ei- nem Brunnen vorbey, der wegen seiner Frische berühmt ist. Trifften, ferne Alpenhütten, auf ziemlich sanften Höhen. Man kommt auf die Chaussee die von Wolrau herauf geht, auf welcher die Waaren von Schwitz über Steinen und zum Thurn nach Richterswiel und nach Bach gebracht werden sie ist hier flach und gut. Man naht sich wieder der Sil. Rechts über dem Wege zeigen sich Flußgeschiebe in großer Höhe, links fand sich ein schwarzes Quarz gestein, von der größten Festigkeit, mit Schwefelkies durchsetzt, in großen Wacken. Man verläßt die Straße und wen- det sich links, Brücke über die Biber. Starker Stieg, die Gegend bleibt sich ähnlich, um 5 Uhr sahen wir Einsiedeln, kamen gegen 6 Uhr an und logirten zum Pfauen gegen der Kirche über.

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