Brief
Von Alexander von Humboldt (6. Februar 1806)
Ankündigung des G. gewidmeten 1. Teils seiner (und Bonplands) Reisebeschreibung ("Ideen zu einer Geographie der Pflanzen", Ruppert 4710). Die dafür von B. Thorvaldsen in Rom entworfene Vignette spiele auf die durch G. vollbrachte Vereinigung von Dichtkunst, Philosophie und Naturkunde an. Da Cotta mit der Herausgabe dieses Werkes zögere (vgl. RA 5, Nr. 607), sende H. inzwischen seine Abhandlung "Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse" (Ruppert 4711), die physikal. u botanische Gegenstände ästhetisch zu behandeln versuche. Obwohl H. sich der Sprache selten sicher und schüchtern und ungeschikt fühle, weil der Boden auf den man in Deutschland tritt sehr glatt geworden sei, bittet er G., der H. oft aufgemuntert habe, diese kleine Arbeit zu lesen (vgl. G.s Rezension, in: JALZ 1806, Nr. 62). - Die treffliche Großfürstin (Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar) habe recht tröstendes von G.s Gesundheit gesagt. H. führe hier ein abscheuliches Leben. Über die empörende Oberflächlichkeit der Menschen, den blechernen grauen Himmel und die Störungen, da niemand arbeitet. Dennoch arbeite H. viel und lebe in der Vergangenheit, in G.s Schriften und in den Ebenen am Euphrat u Himalus, den er besuchen wolle. - Empfehlungen an Wolzogens, C. von Schiller und Meyer. H.s Bruder sei wieder Vater eines Sohnes (Gustav) geworden und sehne sich wie H. nach G. Freudige Erwartung von G.s "Farbenlehre" (Tübingen 1808 bzw. 1810) und Zuversicht, daß G. nicht mißverstanden werde nach der inzwischen eingetretenen großen und glücklichen Revolution des Naturstudiums.
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