Brief

Von Wilhelm von Humboldt (12. April 1806)

G. möge öfter schreiben. Ferne und Tod haben schon so vieles zerstreut, so viele Fäden abgerissen; man sollte sorgsamer seyn wieder anzuknüpfen, festzuhalten, was noch des Haltens fähig ist. H. reflektiert darüber, welch ein bedenklicher Schritt der Rückgang über die Alpen ist. - Über "Winckelmann und sein Jahrhundert" (Tübingen 1805) und "Rameaus Neffen" (nach Diderot; Leipzig 1805): Beide Schriften hätten H. unendliche Freude gemacht und seien ein Rückblick auf das vergangene, u. ein Vermächtniß für das folgende Jahrhundert. Auch freue es ihn, Teile seines Briefes vom 23. August 1804 (RA 4, Nr. 1660) im "Winckelmann" (S. 408-410) wiedergefunden zu haben. Sonst bin ich in Deutscher Literatur ziemlich ein Fremdling. Obwohl er nicht sehr intensiv gearbeitet habe, sei doch neben seiner Übersetzung von Aischylos' "Agamemnon" (vgl. RA 5, Nr. 810) auch noch die Baskenreise fertig geworden (? "Ankündigung einer Schrift über die vaskische Sprache und Nation", in: "Deutsches Museum" 1812, Ruppert 318; "Prüfung der Untersuchungen über die Urbewohner Hispaniens", Ruppert 768). - An K. von Wolzogen adressiert, lege H. dem Brief seine Elegie "Rom" bei. Riemer möge für G. eine Abschrift anfertigen. Ich habe Rom wirklich als das geschildert, was es mir gewesen ist [...]. Von dieser Elegie ausgehend, reflektiert H. über sein dichterisches Schaffen und über das Verhältnis von Stoff und Form in Poesie und Prosa. - Was Sie über Schiller sagen, habe ich tief gefühlt. Auch für H. bedeute dessen Tod Entfremdung von der übrigen Welt. Seine Lehre [...] stand eigentlich im Widerspruch mit der Welt [...]. - Alles gäbe ich drum, wenn er Rom gesehen hätte. Es sei Schillers Steckenpferd gewesen, eine Römische Geschichte zu schreiben mit der Rede Camills gegen die Verpflanzung nach Veji als Angelpunkt. - Alle Kunstsachen seien in sehr reger Bewegung, die deutschen Künstler, unter ihnen A. R. Mengs, seien oben an, die Italiener mit unter sehr lobenswürdig, die Franzosen unter der Kritik. Kotzebue und A. W. Schlegel hätten sich auf die schlüpfrige Bahn der Kunstkritik gewagt. Man sagt, daß die Gelobten den Tadel dictirt haben, u. fällt über sie [...] mit Thätlichkeiten her. H.s Frau wolle G. nächstens mehr darüber schreiben.

Bezüge im Wissensnetz

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Wurde abgesendet von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde gesendet an (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde abgesendet aus (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wird angeführt von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Zeitspanne (1)

GZP-Knowledge-Graph

Kategorie (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Brief und Korrespondenz

Teil von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen