Normalzeugnis Zeugnis

E. A. A. v. Göchhausen, Protokoll einer Ortsbesichtigung in Ruhla (STA Weimar, Commissionsakte – Eisenacher Polizeisache 761 c Bl. 12)

Geschehen, Ruhla, den 10t Aug. 1789. Bey der, auf Serenissimi höchsten Befehl, zu beabsichtigter bessern Aufnahme des hiesigen Baades anderweit angestellten Lokal-Besichtigung der mancherley hier eintretenden Gegenstände, wurde zuerst untersucht, in wie fern bey dem bergigten Terrain eine Promenade dergestalt angelegt werden könnte, daß man, von der Allée vor dem Forsthause an, durch die daran stoßenden beiden herrsch: Gärten, und über die jenseit derselben liegenden Privatbesitzungen, bis zum Gipfel des steilen Berges, bequem gelangen könne? Der Herr Geheimde Rath von Göthe untersuchte deshalb mit Endesunterzeichnetem das Terrain näher, und fanden, daß der Endzweck folgender maßen erreicht werden könne: 1.) Der erste Eingang der LindenAllée vor dem Forsthause, blieb, würde erweitert, und mit einer Thür von Latten versehen. 2.) Die LindenAllée sey abzustoßen, zu ebnen, mit Kies zu überfahren, und untenhinaus sanft ablauffend zu halten, damit der Weg stets trocken bleibe. 3.) Die Linden selbst seyen untenher auszuputzen, und sodann breit zu halten, (auch mit Canapées zu versehn, wozu die Zeichnung von Smo anher geschickt werden wird.) 4.) Die Entrée in den an die Allée stoßenden herrschaftl: Garten würde gleichfalls erweitert, u. mit einer Latten-Thür versehen. 5.) Der Garten selbst sey durch Kieswege, 8. Schuh breit, gegen die Laube hinauf, und ins Quadrat, abzutheilen. 6.) Vor der Hütte, oder Laube, sey eine Moosmauer, mit einer Nische, anzulegen; der Zwischenraum, zwischen der schon vorhandenen alten, u. der nurerwähnten neuen Mauer, 12. Schuh breit zu lassen, auszufüllen, und von beiden Seiten, in der Idee, wie beyliegende kleine Zeichnung besagt, mit Rampen zu versehen. Eine genauere Zeichnung und Grundriß wollen der Herr Geheime Rath besorgen, nach welcher sodann der Anschlag vom Baumeister Goetze zu fertigen seyn würde. 7.) Das Schieshäuschen und die Vogelstange würden weggenommen, das Holz von beiden aber im Forsthause zu etwann in der Folge vorkommenden Anlagen aufzubewahren seyn. 8.) Am Ende der Linden Allee, links, gegen das Brunnenhaus, finge sodann ein, 8. Schuhe breiter, mit seiner Form nach dem Bermbach sich richtender Gang, an, und würde hinter das Brunnenhaus führen. Der Gang um das Brunnenhaus herum sey von Gras zu säubern, Kies drauf zu führen, die kleine Brücke vor dem Brunnenhause über den Bermbach mit einer andern leichten und zierlichen Brücke, etwann wie die vor dem Stedtfelder Hölzchen, zu verwechseln. 9.) Vom Brunnenhause an, rechts sich wendend hinter der Vogelstange weg, immer sanft und unvermerkt bergan, würde sodann der schon gedachte 8. Schuhige Gang sich fortziehen, bis an den Zaun von dem erst vor kurtzem acquirirten, itzt Herrschafftlichen, vormals Schenckschen Berggarten. Hier wurden sofort Fröhner, welche überhaupt die gantze Arbeit daselbst zu verrichten haben, angelegt, und zur Probe ein Stück Gang abgesteckt u. abgegraben. 10.) Von da führt besagter 8. Schuhiger Gang wieder, in gleichem sanften Abfall, links aufwärts bis in die ZaunEcke des alten Herrschaftl. Gartens, u. komt bey einem kleinen Fußpfade des Dorfs heraus; wendet sich links fort, durch einen kleinen Zwickel des Kleinsteuberschen Gartens, von welchem der Besitzer so viel Ruthen, als man allenfalls nöthig haben möchte, gegen Erlegung von 20. gr: pro Ruthe, u. so, daß Steuern u. Erbzinsen gantz auf der übrigen Besitzung bleiben, gern herzugeben, sich bereits erklärt hat. 11.) Von hier an zieht sich besagter Gang weiter links, u. sanfft aufwärts, mittelst Auffüllung, quer durch die, Joh: Goeckings Wittwe zuständige, Wiese unterm Wald, welche zu acquiriren seyn würde, weil man außerdem kein Mittel hat, die Promenade bis in den Wald hinein zu bringen. 12. Von der Ecke dieser Wiese an, läufft sodann der Gang wieder rechts bis an die WaldEcke. 13.) Von der WaldEcke an, rechts fort, durch den Wald, bis auf einen frey stehenden Kopf, von welchem die gantze Ruhla beynahe übersehen werden kan, wie solches alles der von dem Hofgärtner Skell zu seiner Zeit zu fertigende Riß mit mehrerm darlegen würde. Auf diesen Kopf würde ein hölzern klein Gebäude, wozu der Herr Geheimde Rath von Göthe einen Riß besorgen wollen, zu setzen seyn. den 11t August. Wurden Sr: Herzogl: Durchlaucht obige Ideen, und die zum markiren der Gänge gesteckten Pfäle, nebst dem zur Probe gestern gefertigten Stück des Promenadengangs, vorgelegt u. gezeigt, und genehmigten Höchstdieselben die unumgänglich nöthige Erkauffung einiger Ruthen des Kleinsteuberschen Gartens, pro Ruthe 20. gr:, nächstdem auch die Acquisition der Goeckingschen der Angabe nach 5⁄4 . Acker haltenden Wiese, welche, nach den Kaufbriefen 59. rh: 8. gr: der Besitzerin zu stehen gekommen, von ihr aber für 80. fl: überlaßen, u. vorläuffig der Kauf mit ihr abgeschloßen, auch der Gerichtsschultheis Deussing hievon benachrichtiget wurde. Nächstdem ist folgendes annoch hieher zu bemerken. a.) daß dem Hofgärtner Skell die Besorgung der Anlage der Gänge, nach der ihm in loco gemachten deutlichen Demonstration alles dasjenige, was die Puncte, 1. bis 13. besagen, übertragen, u. er angewiesen worden ist, bis die Anlage der Promenadengänge fertig ist, in der Ruhl zu bleiben, bey einigem Anstoß u. Bedenken aber Verhaltungsmase von Endesunterzeichnetem einzuholen. Letzterer hingegen hat, Serenissimi gnädigster Instruction nach, vorkommenden Falls, mit dem Herrn Geheimde Rath von Göthe sich weiter zu vernehmen.

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