Brief

Von Ottilie von Goethe (6. August 1824)

Bei schlechtestem Wetter sei O. von Goethe auf schlechten Wegen und in schlechtem Gesundheitszustand in Schlangenbad angelangt; erwähnt: A. Näder. - Betrachtungen über die höchst unterschiedlichen Eindrücke, die sie bisher in diesem Jahr im prunkvollen Berlin, im häuslichen Leben Weimars, im reichen Frankfurt, im eleganten Ems und nun in der ländlichen Stille Schlangenbads gewonnen habe. - Über verschiedene Begegnungen in Ems; erwähnt: K. W. F. und L. W. von Bismarck sowie J. H. Lawrence. - Reflexionen über ihre Beziehungen zu Männern verschiedener Berufe und verschiedener Nationalität; erwähnt: ihre Erfahrungen in dem Ritter Hughischen, philosophischen System (? nach F. de la Motte-Fouqués "Der Zauberring") und Heinrich IV. (? von England oder Frankreich). Ueberhaupt lieber Vater, - 'soll ich lieben, soll ich hassen, - Sei es gleich in ganzen Massen', - ganze Nationen oder Fakultäten [...] (Anspielung auf G. "West-östlicher Divan", "Als wenn das auf Namen ruhte ...", WA I 6, 102). Auch habe sie in diesem Sinn zu dem griechischen Interesse einen kleinen Suplementband gefunden. - Gräfin K. Egloffstein habe von G.s Unpässlichkeit und seiner glücklichen Genesung geschrieben. - Fortsetzung der Betrachtungen: Was G. über die neuen Bücher sage (u. a. C. Delavigne "L'école des vieillards", F. Lope de Vega "Stern, Zepter, Blume", hrsg. von E. von der Malsburg, und "Chants populaires de la Grèce moderne", hrsg. von C. Fauriel) schreibe, habe O. von Goethe sehr interessiert. Graf K. F. Reinhard habe bei einem Besuch von einem neuen Werk N. A. de Salvandys gesprochen ("Don Alonzo"). - Dank für das (auf Delavigne bezogene) Impromptu. - In einer englischen Zeitung seien die Privatbriefe Lord Byrons, vor allem an seine Mutter, veröffentlicht worden (? Ankündigung der "Correspondence of Lord Byron with a Friend, including his Letters to his Mother", hrsg. von R. C. und A. Dallas). - F. Soret erhalte den nächsten Brief.

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