Brief
An Andreas Dietrich Einer [d. i. Krako] (13.)
Sie äußern mir in Ihrem Billet, in welchem ich die Gesinnungen eines wohldenkenden Mannes erkenne, den Wunsch unser Theater Michael zu verlassen und den Vorsatz der Schauspielkunst gänzlich zu entsagen. Sie führen Ihre Gesundheits Umstände an, die ich kenne und bedauere. Mit eben der Offenheit will ich Ihnen gestehen: dass ich wünschte, Sie möchten noch so viel Muth und Lust fühlen bis Ostern bey uns aus zu halten.
Ich würde Ihnen Ihre Existenz auf alle mögliche weise zu erleichtern suchen, Ihnen in neuen Stücken keine Rollen zu theilen, wenn Sie nicht Selbst dazu Trieb fühlen sollten, Ihnen von den ältern Rollen diejenigen auf Michael abnehmen, welche Sie selbst ab zu geben geneigt sind. Sie würden alsdann nur in solchen Rollen auftreten, die ganz für Sie passen und die Sie völlig in Ihrer Gewalt haben, Sie würden seltner aber mit mehr Ruhe und Zufriedenheit erscheinen. /
Ich glaube diese Bedingungen gegen den Hof und das Publicum verantworten zu konnen und fürchte nicht, getadelt zu werden, wenn ich einen beliebten Schauspieler auf diese weise länger zu erhalten und ihm seinen Rückzug vom Theater bequemer und ehrenvoller zu machen suche. Sollten Sie Sich aber in einer Lage befinden, in welcher es Ihnen lästig wäre auch unter diesen Bedingungen auszuharren; so würde ich Sie nach Ihrem Wunsch, obgleich ungerne, von einem Contract lossprechen, den man nicht mit Lust und Freudigkeit erfüllt.
Ich wünsche ohne weitere Rücksichten, dass Sie den Weg erwählen mogen, der zu Ihrem Besten führt. W d 1… März 1792
Göethe
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