Brief

Von Johann Heinrich Meyer (11. bis 12. Mai 1820)

G. werde M.s letzten Brief (RA 9, Nr. 168) durch K. Conta erhalten haben. Freude über die durch A. von Goethe erhaltene Nachricht von G.s reger Tätigkeit (in Karlsbad). - S. Schütze überbringe diesen Brief und die Beylage von Zeitungen. - G.s Vorschlag die deutsche schöne Litteratur betreffend sei nach M.s Erläuterung gut aufgenommen worden, doch wolle man wahrscheinlich dieses Vorhaben noch ruhen lassen, so daß sich eine Instruktion an Schütze erübrige. - M. habe gegenüber K. Ruckstuhl den Wunsch geäußert, die von ihm für "Über Kunst und Altertum" angebotenen Aufsätze erst nach G.s Rückkehr nach Weimar zur Prüfung zu senden (vgl. RA 9, Nr. 190). - Die Rezension von L. Ruhls Gemälde "Drei singende Engel" für "Über Kunst und Altertum" (II 3) wolle M. so abfassen, daß man in Kassel nicht ganz unzufrieden seyn werde. M. könne, nachdem er von H. von Könneritz die übrigen Blätter (T. B. Emeric-David "Suite d'études calquées et dessinées d'après cinq tableaux de Raphael", 3.-5. Lfrg.) erhalten habe, seinen Aufsatz vollenden (vgl. "Spanische Gemälde, nach Raffael" und "Suite d'études ...", in: "Über Kunst und Altertum" II 2 und II 3). - K. W. von Fritsch und Könneritz hätten in Wien fünf Gemälde ersteigert und diese an Großherzog Karl August abgetreten, darunter ein vermeintlicher Tizian, ein Pferdekopf von Giulio Romano, ein Profilkopf aus Rembrandts Schule von J. Lievens sowie ein altdeutsches Gemälde in der Art L. Cranachs d. Ä. - C. Müller, der sich über seine Ernennung zum Professor freue, sei von Leipzig zurück und rühme sich der freundlichen Aufnahme der von (seinem Sohn) angekündigten Hefte von Blättern in Steindruck ("Weimarische Pinakothek"). - K. F. C. Steiner habe das bunte Fenster für die Jenaische Bibliothek fertigen lassen und wolle es am 15. Mai einsetzen. - Ausführliche Darstellung der ersten schriftlichen Verhandlungen C. W. Schweitzers mit K. B. Hase in Paris, den man nach den über ihn eingezogenen günstigen Nachrichten als Lehrer und Erzieher für die Prinzessinnen Maria und Augusta und den Prinzen Karl Alexander einstellen wolle. Hase sei durch die Arbeit an seinem großen Werk über byzantinische Schriftsteller an Paris gebunden ("Leonis Diaconi Caloënsis historiae"), glaube aber, diese Arbeit auch von Weimar aus fortsetzten zu können. M. halte es für notwendig, Hase die konkreten Bedingungen der ihn in Weimar erwartenden Arbeit zu nennen und wünsche im Namen Erbgroßherzogin Maria Pawlownas G.s Meinung in dieser Angelegenheit zu hören; erwähnt: Erbgroßherzog Karl Friedrich. - Über Weimarer Neuigkeiten: T. von Sydow habe am 9. Mai mit geringem Erfolg Schillerische Poesieen vorgetragen; Könneritz und L. von Werthern-Beichlingen sollen ein Paar sein; eine Frl. von Hardenberg, Tochter eines westfälischen Staatsrats und jetzigen hannoverschen Ministers (? Graf E. Hardenberg), sei hier und singe wie eine Nachtigall; K. Lieber habe G.s Zeichnung von den Cascatellen zu Tivoli fertig getuscht eingereicht.

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