Normalzeugnis Zeugnis
Carl August, Tagebuch 12. 11. 1779 (Funde und Forschungen S. 198)
7 Uhr zu Fuße fort. 2 St. biß Oberwald, den letzten Dorfe in Wallis. Das Wetter ließ von Anfang gut an, es war kalt u. hatte dickes Eis gefroren. Der Schnee, je höher wir kamen, wurde tiefer. Sehr starcke Windwehn stellten sich ein. Um 9 waren wir zu Oberwald ... Wir nahmen hier zwey Boten, sichere, äußerst starcke Leute. Sie hockten unsere Sachen auf, u. einer gab mir eine Mütze vor die Kälte ... Unsere Boten erkundigten sich erst unter der Hand, ob wir starck genug wären die Strappaze auszustehn, od. ob sie uns würden tragen müßen. Denn nachher erzählten sie uns verschiedene Fälle, wo sie Leute durch den tiefen Schnee hätten tragen müßen, mit manchmal ihrer eignen Gefahr; theils wenn sie Leute begegnet hätten, die Matt wären, od. wenn sie sie gar tod gefunden; sie nehmen dieß als eine Gewißens-Pflicht, welche ihnen dereinst belohnt würde werden; ja sogar sagen sie, sie wüßten, daß wenn sie einen Todten mit der guten Absicht aufhüben, er leichter würde. Beyde erzählten, daß ihnen Leute auf den Rücken gestorben wären. Es waren gar trefl. brave Kerls ... Hatten wir Mühe im aufsteigen, so war der Abstieg noch mühsamer. An die drey St. brachten wir beständig in 2 biß 3 Fuß hohen Schnee der nicht trug zu, u. so kamen wir endl. um 3 Uhr in Realp an. Um ½ 10 waren wir von Oberwald weg, u. sehr aufgehalten haben wir uns nicht. Es ist die ärgste Strapaz, die ich je außgehalten ... In Realp quartierten wir uns bey ein paar Capucinern, welche hier wohnen. Aßen u. trancken sehr gut.
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