Normalzeugnis Zeugnis

Tagebuch 28. 8. 1797 (WA III 2, 100)

An den Fensterscheiben des Wirtshauses Zur Sonne fand ich eine Sonderbarkeit. Es sind länglich viereckte Tafeln, die in der Quere stehen und unten eingebogen sind, so daß man von dem Fenster und dem Rahmen etwas abnehmen mußte. Der Hausherr J. K. F. Heinrich sagte mir nur, daß der Glaser sich nach den Tafeln habe richten müssen; er glaubt, daß sie sich, wenn sie noch biegsam sind, so werfen ... An der Wirthstafel speiste außer der Hausfamilie noch der Oberamtmann L. H. Abel von Mekmühl und seine Frauenzimmer ... Abends um 6 Uhr fuhr ich mit dem Bruder des Wirthes auf den Wartberg ... Es sollen 12 000 Morgen Weinberge um die Stadt liegen; die Gärten sind sehr theuer, so daß wohl 1500 Gulden für einen Morgen gegeben werden. Ich hatte sehr schönes Vieh gesehen und fragte darnach. Man sagte mir, daß vor dem Krieg 3000 Stück Rindvieh in der Stadt gewesen, die man aber aus Sorge vor der Viehseuche nach und nach abgeschafft und erst wieder beyschaffen werde; eine Kuh könne immer 12 bis 18 Karolin kosten und werth seyn. Viele halten sie auf Stallfütterung; geringe Leute haben Gelegenheit sie auf die Weide zu schicken, wozu die Gemeinde schöne Wiesen besitzt. Ich fragte nach dem Bauwesen. Der Stadtrath hat es vor dem Krieg sehr zu befördern gesucht; besonders wird der Burgemeister gerühmt, der schöne Kenntnisse besessen und sich dieses Theils sehr angenommen. Vor dem Kriege hat man von Seiten der Stadt demjenigen, der nach Vorschrift von Stein baute, die Steine umsonst angefahren und ihm leicht verzinslichen Vorschuß gegeben ... Die Obrigkeit besteht aus lauter Protestanten und Studirten. Sie scheint sehr gut zu haushalten, denn sie hat die bisherigen Kriegslasten ohne Aufborgung oder neue Auflagen bestritten. Einer Contribution der Franzosen ist sie glücklich entgangen. Sie war auf 140 000 Gulden angesetzt, die auch schon parat lagen. Jetzt werden alle Vorspanne, welche die Österreicher verlangen, aus dem Ärario bezahlt und die Bürger verdienen dabey. Das beste Zeichen einer guten Wirthschaft ist, daß die Stadt fortfährt Grundstücke zu kaufen, besonders von fremden Besitzern in der Nachbarschaft ... Die Stadt hat eine Schneidemühle mit dem Rechte, allein Bauholz und Breter zu verkaufen. Diese Befugnisse sind auf 30 Jahre verpachtet. Der Einwohner kann zwar von einem vorbeyfahrenden Flößer auch kaufen, muß aber den Monopolisten einen Batzen vom Gulden abgeben, so wie der Flößer ihm auch eine Abgabe zahlen muß. Da nun der Pachter, indem er Holz im Großen kauft und selbst flößt, das Holz so wohlfeil als der Flößer geben kann, so kann er sich einen guten Vortheil machen. Dagegen wird er, wenn er es zu hoch treiben wollte, wieder durch die Concurrenz des Flößers balancirt. Unter diesen Umständen scheint also nicht, wie ich anfangs glaubte, diese Art von bedingtem Alleinhandel dem Bauen hinderlich zu seyn. Was die Abgaben betrifft, so sollen die Grundstücke sehr gering, das baare Vermögen hingegen und die Capitalien hoch belegt seyn ...

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