Brief
Von Katharina Elisabeth Goethe an Goethe, Christiane Vulpius und August von Goethe (12. März 1798)
An Christiane: Sie habe ihr durch die neue Büchersendung sowie mit "Agnes von Lilien" (Berlin 1798; von K. von Wolzogen) und mit "Julchen Grünthal" (2. Band, Berlin 1798; von F. H. Unger) viel Freude bereitet, besten Danck dafür (vgl. RA 2, Nr. 1093). An G.: Weiteres zur Lotterie. - Heftige Polemik gegen den Druck mit lateinischen Lettern: Sie sind wie ein Lustgarten der Aristokraten, in den nur Leute mit Stern und Bändern hineindürfen, während die deutschen Buchstaben wie der Prater in Winn seien, wo der Kayser Josephs drüber schreiben ließe Vor alle Menschen. Ob denn nur Leute von Stand aufgeklärt werden sollen und der geringre von allem guten ausgeschloßen bleiben soll. "Hermann und Dorothea" könne jeder lesen: Schneider - Nätherinnen - Mägte [...] Docter Hufnagel u.a. m. C. W. Hufeland dagegen habe übel gethan sein vortrefliches Buch ("Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern", Jena 1796) in unbrauchbaren lateinischen Lettern drucken zu lassen. - Sie dankt vor die Lieder und verweist auf den beiliegenden Titel eines Buches (von W. F. Hufnagel), in dem Herrmann und Dorothea seine Vergötterung erhalten hat. An August: Dank vor die schöne und deutliche Beschreibung der vielen vierfüßigen Thire und der herrlichen Vögel. Er solle dem Vater sagen, daß G. Fuentes zwey neue Decorationen mit Straßenansichten gemalt habe, die sehenswert seien.
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