Normalzeugnis Zeugnis
Bericht für die Akten der Schloßbaukommission 6. 5. 1795 (STA Weimar, B 8976a)
Am 6ten May 1795. begab sich Endesunterzeichneter Goethe mit dem Herrn Geheimderath Voigt in das Schloß, um die nothwendigsten Baue für dieses Jahr zu überlegen. Es gab dabey der Augenschein, daß die Errichtung der Schiedmauer, zur Unterstützung des Hauptgebälkes des Daches, das gegenwärtig nur mit Holz unterfahren ist, nicht länger zu verschieben sey. Es wären daher in diesem Jahre aufzuführen:
1.) Die Schiedmauern an der Treppe von der ersten Etage bis unters Dach.
2.) Am ersten und zweyten Vorzimmer die Mauern durch zwey Stock hinauf zu bringen, und zugleich wäre das mittlere Gebälke in gedachten Zimmern der bessern Verbindung und Befestigung wegen zu legen.
3.) Am Garderobezimmer wären gleichfalls die Mauern aufzuführen und das Gebälke zu legen.
4.) Was nach der Construction hiebey von Oessen vorkömmt, muß zugleich mitgenommen werden.
Da nun auch die Grundlage zur Treppe dieses Jahr bis in die erste Etage zu führen ist, um den Mauern und Gewölben genugsame Zeit zu geben, daß sie sich setzen können; so wären
5.) Zwey Pfeiler zu den Treppenrampen vom Grund auf bis in die erste Etage zu führen, und
6) die zweyte Reihe der kleinen Colonade aufzustellen, worauf die Treppenrampen zu liegen kommen.
Vorstehende Arbeiten wären nicht ohne besorglichen Schaden und ohne größern Auffenthalt in den folgenden Jahren gegenwärtig aufzuschieben.
Alles übrige könnte ruhen nur daß noch
7) die zwey und zwanzig Stück fertige Dachfenster mit Oelfarbe anzustreichen wären.
Wegen der Kosten bezog sich der Baumeister auf einen von ihm schon eingesendeten Anschlag, und versicherte, daß man die Summe von 5 bis 6000 Thalern nicht zu überschreiten brauche, um vorgedachte Arbeiten auszuführen; bat um Erlaubniß einige Tagelöhner anstellen zu dürfen, um aufräumen und die nöthigen Vorarbeiten machen zu lassen, damit man nach dem Pfingstfeste sogleich eifrig zur Sache schreiten könne. Er getraue sich bis Michael mit denen vorseyenden Arbeiten fertig zu werden.
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