Brief

Von Karl Friedrich Zelter (26. April bis 13. Mai 1815)

1815 April 26 Weiterführung von G.s Gedanken über das Publikum anläßlich der Aufführungen des Festspiels "Des Epimenides Erwachen" in Berlin. - Bericht über die Trauerfeier für den verstorbenen Akademiedirektor J. C. Frisch am 25. April: Mozarts "Requiem" sei wie eine aufgezogene Uhr von der Spule gegangen. G. Schadow habe von den Verdiensten des Künstlers gesprochen und Z. die anliegenden Worte angefügt, wodurch die Musik in zwey Theile getheilt worden sei; erwähnt: Kronprinz Friedrich Wilhelm sowie König Friedrich II. von Preußen. 1815 April 28 Gestern habe Z. den jungen K. Unzelmann mit Vergnügen und vielem Beyfall in der "Schachmaschine" (von H. Beck) spielen sehen. 1815 Mai 13 Gestern habe Z. den neuen Schauspieler L. Devrient den Shylock (in Shakespeares "Kaufmann von Venedig") spielen sehen; die Rolle ward wahrhaftig tragisch von vorn herein bis ans Ende und ich habe nichts Schönres in der Art gesehn. Vergleich zwischen Devrients Darstellungskunst und A. W. Ifflands Art, die Lacher zu gewinnen; in weiteren Rollen erwähnt: F. Bethmann und W. Maaß, ferner die Darsteller von Antonio, Bassanio und Lanzelot (F. W. Lemm, H. Bethmann und A. Gern). Vorige Woche habe ich ihn den Schewa spielen sehn (in R. Cumberlands Schauspiel "Der Jude").

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