Brief
Von Helfrich Bernhard Hundeshagen (24. Dezember 1818)
Übersendung von Exemplaren seines Werkes "Kaiser Friedrichs I. Barbarossa Palast in der Burg zu Gelnhausen" (Ruppert 2352; vgl. G.s Ankündigung auf der 2. Umschlagseite von "Über Kunst und Altertum" II 1, WA I 53, 229, und H. Meyers Anzeige in: "Über Kunst und Altertum" II 2) mit der Bitte, eines davon mit dem Begleitschreiben an Großherzog Karl August weiterzureichen, dem das Werk gewidmet sei. - Schilderung seiner bedrückten Lage infolge Entlassung (aus dem Bibliotheksdienst) durch Herzog Wilhelm von Nassau Ende 1817 und die Intrigen seiner Feinde. Das ihm vom Herzog aus dessen Schatulle angebotene äußerst geringe Jahresgehalt habe er ablehnen müssen, um nicht auf seine Rechte zu verzichten. Seit Anfang dieses Jahres lebe er hauptsächlich in Mainz und suche in der Umgebung seinen Verdienst in praktischen Bauarbeiten. - Für den Neubau des abgebrannten Berliner Schauspielhauses habe H. einen sehr detaillierten und umfangreichen Entwurf angefertigt, wozu er von mehreren der bedeutendsten Männer des Preußischen Staats und Graf K. Brühl selbst bevollmächtigt worden sei. Der Entwurf habe jedoch kein Gefallen gefunden und H. sei ohne Entschädigung geblieben, was ihn an den Rand der Verzweiflung gebracht habe. - Aufzählung der seitdem von H. begonnenen und vollendeten Arbeiten: Abschrift der von ihm aufgefundenen Handschrift des Nibelungenliedes (vgl. H.s Mitteilungen im MBl 1816, Nr. 31 und 75 sowie eine Nachricht darüber in Nr. 47) und vertiefendes Studium über Gedicht und Dichter für eine baldige Herausgabe; Vollendung des 1. Teils seiner Karte des Rheinlaufs mit seinen Uferarten; Arbeit an der topographisch und antiquarischen Beschreibung des Mittelrheins (u. a. Karte von Bonn), wozu er ein in einem Codex des 12. Jahrhunderts enthaltenes Runenverzeichnis mit dem vollständigen Alphabet hinzugezogen habe; Vermehrung seiner Hefte über die altdeutsche Baukunst und Bildnerei, deren Erscheinen mit dem Stich der Templer-Kapelle zu Kobern beginnen solle ("Einleitung und Übersicht der Enzyklopädie des Bauwesens"); Arbeit an einer weiteren Folge von den neusten Werken der bürgerlichen Baukunst in den hiesigen Gegenden mit perspektivischen Zeichnungen H.s von haarscharfer Richtigkeit, u. a. vom Mainzer Dom ("Das Domgebäude zu Mainz"). - Bedauern, an einen für Kunst und Wissenschaft so öden Ort wie Mainz durch den Verlust seines Vermögens gebannt zu sein und Hoffnung, in Weimar anzukommen. Sein entsprechendes Ansuchen an Großherzog Karl August möge G. unterstützen. Mit einem Reisejahrgehalt werde ihm geholfen sein. - Angabe seiner Adresse.
Bezüge im Wissensnetz
Erwähnt (5)
GZP-Knowledge-GraphAntworten darauf (1)
GZP-Knowledge-GraphHat Sprache (1)
GZP-Knowledge-Graph- Deutsch
Wurde abgesendet von (1)
GZP-Knowledge-GraphWurde gesendet an (1)
GZP-Knowledge-GraphWurde abgesendet aus (1)
GZP-Knowledge-GraphWird angeführt von (1)
GZP-Knowledge-GraphHat Zeitspanne (1)
GZP-Knowledge-GraphKategorie (1)
GZP-Knowledge-Graph- Brief und Korrespondenz