Brief
Von Wilhelm von Humboldt (15. Juni 1795)
H. wolle G. vor dessen Reise nach Karlsbad auf alle Fälle nochmals besuchen. - Über die ersten 12 Kapitel des 5. Buches von "Wilhelm Meisters Lehrjahren": Er ist Ihnen unglaublich gelungen. Das Raisonnement über Hamlet sei voll tiefer Ideen und trefflicher Bemerkungen; der von G. angegebene Unterschied zwischen Drama und Roman sei aus dem Innersten der Kunsttheorie geschöpft und verdiene eine noch ausführlichere Erörterung. Meisters Uebergang zum Theater haben Sie mit überaus großer Kunst vorbereitet [...]. Alle seien neugierig auf die Fortsetzung des Romans. Seine Frau wolle wissen, wessen Arm den Meister in dem Augenblick umschlingt, als das Manuskript uns verläßt. - Mit J. H. Voß "Luise" (Ruppert 1183) und der Idylle überhaupt wolle sich H. anhaltender beschäftigen. Erwähnung von J. Sannaros und Bitte, ihm G. B. Guarinis "Il pastor Fido" (vgl. "Delle opere del Cavalier Battista Guarini", Ruppert 1683) zu schicken. - Schiller bestreite, daß der im "Teutschen Merkur" veröffentlichte Aufsatz "Über den Stil in den bildenden Künsten" (von K. L. Fernow) von Fichte sei.
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