Normalzeugnis Zeugnis
J. H. Lips an Ungenannt o. Dat. (Neujahrsblatt Zürich 1888, S. 14)
Mit einem noch nie gehabten Verlangen eilte ich zu ihm hin und wirklich ich ward von ihm auf eine solche freundschaftliche, gute, innige, herzliche Weise empfangen und bewillkommnet, als ich nicht verlangen konnte. Wie seine Briefe, wie meine Wünsche, so war sein Herz, seine Freundschaft, ja noch mehr – kurz, ich fand alles, was ich verlangen konnte. Ebenso begegneten mir die Personen, mit denen er mich den ersten Tag bekannt machte. Lauter Höflichkeit, Güte und sogar große Freude, mich in Weimar zu sehen, fand ich bey allen und habe es noch bis diesen Augenblick angetroffen ... Dem Herzog bin ich noch nicht vorgestellt worden, er ist gegenwärtig in Eisenach – ich verspreche mir aber auch die beste Aufnahme, dessen mich Göthe versichert und was ich auch von den meisten Leüthen schließen darf, weil man ihn liebt und ihm das Lob eines guten, menschenfreundlichen Herrn beylegt. – Göthe wiese mir ein Paar Zimmer in seinem Hause an, und ich esse an seinem Tisch, bis er von da in ein bequemes Logis zieht. Ich bleibe aber da, und nun fange ich an, mich einzurichten ... Man lebt hier sehr auf einem freundschaftlichen Fuß und wöchentlich sind zwey Klubs festgesetzt, einer, wo Männer von jeder Klasse hinkommen, der andere, wo auch das weibliche Geschlecht Zutritt hat. Ich bin schon in beyden produziert worden ... Die Leuthe sind hier im Ganzen genommen alle artig, nichts weniger als stolz und leben auf einem artigen Fuß zusammen.
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