Brief
An Carl August Herzog von Sachsen-Weimar und Eisenach und Friedrich Leopold Kruse mit Franz Kirms (30. Dezember 1811)
Ew: Herzog: Durchlaucht er lauben gnädigst, daß Ihro Hof theater Commission, indem sie das Gesuch des Balletmeister Uhlich um einen vierwöchentli chen Urlaub zu beleuchten schul dig ist, ihr gegenwärtiges Ver hältniß gegen solche Gesuche, im Zusammenhang darstelle.
Es ist Ew: Herzog: Durchlaucht noch gnädigst erinnerlich, daß Ihro Commission mehrere Jahre dergleichen Gesuchen widerstan den und solche niemals zugege ben, wodurch sie in den Fall ge setzt setzt worden, das hiesige Theater mit einem geringeren Personal und also auch mit wenigern Kosten als andre Bühnen, zu bestreiten. Da nun aber der Fall eingetreten, daß einige Ausnahmen statt gefunden, so waren solche Urlaubsertheilun gen nicht mehr mit voriger Strenge abzulehnen.
Commissio hat indeß, um jenen Vortheil nicht ganz zu verlieren, den Grundsatz aufgestellt, daß nur solchen Mitgliedern der Ur laub ertheilt werden könne, wel che bey einem neuen Contract sich solchen zur Bedingung ge macht; worauf denn freylich die bedeutenden Schauspieler, deren Contract zu Ende ging, sich diese Vergünstigung ausdrücklich vorbe halten.
Hiebey beobachtet Commissio genau einen andern Grundsatz, daß es nämlich von ihr abhängen müsse, wann die Beurlaubung geschehen solle, damit nicht mehre re Personen auf Einmal, und wohl gar zu unrechter Zeit da rauf Anspruch machen können.
Was die Zeit betrifft, so kann im Winter kein Urlaub er theilt werden, weil gerade in dieser Epoche, bedeutende Vor stellungen auf einander fol gen zu lassen, ingleichen neue Stücke einzustudiren, am nöthig sten ist.
Beurtheilt man nun hiernach das Gesuch des Balletmeister Uhlich, so findet man, daß Her zog: Commission alle Ursache gehabt, sein Gesuch abzuschlagen, weil weder sein Contract hievon etwas besagt, noch auch die gegen wärtige Jahrszeit dazu schicklich ist.
Wollte man dagegen einwenden, daß jedachter Uhlich eher als ande re zu entbehren sey; So werden wir bemerken dürfen, daß vielleicht bey keinem Geschäft die Consequenz gefährlicher sey als beym Theater, weil ein jJeder sich, besonders in günstigen Dingen, dem andern alsobald gleich stellt, und das, was dem ei nen zugestanden worden, gleich falls für sich zu gewinnen sucht. Wie wir denn schon mehrere Urlaubsgesuche, die noch nicht durch neue Contracte zugestan den sind, nicht ohne daher ent sprungene Unannehmlichkeiten abschlagen müssen, welche so gleich, wenn Uhlich begünstigt wür de, sich erneuern möchten.
Wir glauben daher keine Fehlbitte zu thun, wenn wir Ew: Herzog: Durch: in Betracht vorstehender Gründe unterthänigst angehen, es bey der dem Balletmeister Uhlich ertheilten abschlägigen Resolution gnädigst zu belassen. Weimar den 30n: Dezbr: 1811:
Weimar den 30n: Dezbr: 1811:
Ew: Herzog: Durchlaucht unterthänigst treu gehorsamste Hoftheater-Commission.
Goethe
F.Kirms
LKruse
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