Normalzeugnis Zeugnis

Italienische Reise. Dezember 1787 (WA I 32, 170)

Auf dem Platte vor St. Peter in Montorio begrüßten wir den Wasserschwall der Acqua Paola, welcher durch eines Triumphbogens Pforten und Thore, in fünf Strömen, ein großes verhältnißmäßiges Becken bis an den Rand füllt ... Hier nun rühmten Freunde der Baukunst den glücklichen Gedanken, diesen Wassern einen offen schaubaren triumphirenden Eintritt verschafft zu haben ... Ein kurz vorher eingetroffener Ankömmling aus Norden fand jedoch, man würde besser gethan haben rohe Felsen hier aufzuthürmen, um diesen Fluthen einen natürlicheren Eintritt an’s Tageslicht zu verschaffen. Man entgegnete ihm, daß dieß kein Natur-, sondern ein Kunstwasser sei, dessen Ankunft man auf eine gleichartige Weise zu schmücken gar wohl berechtigt gewesen wäre. Doch hierüber vereinigte man sich eben so wenig als über das herrliche Bild der Transfiguration, welches man in dem zunächst gelegenen Kloster gleich darauf anzustaunen Gelegenheit fand. Da war denn des Redens viel; der stillere Theil jedoch ärgerte sich, den alten Tadel von doppelter Handlung wiederholt zu sehen ... Die Gleichgesinnten bestärkten sich auch dießmal in ihrer Überzeugung; Raphael, sagten sie zu einander, zeichnete sich eben durch die Richtigkeit des Denkens aus, und der gottbegabte Mann, den man eben hieran durchaus erkennt, soll in der Blüthe seines Lebens falsch gedacht, falsch gehandelt haben? Nein! er hat, wie die Natur, jederzeit Recht, und gerade da am gründlichsten, wo wir sie am wenigsten begreifen.

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