Brief

Von Helene Dorothea Delph (etwa 5. November 1803)

D. habe nach vielen peitschenschlägen des Kriegesschicksahls manche Staatenumwälzungen mit Trüben Augen angesehen. Sie hofft, zu alt zu sein, um noch unter eine Republicanische regirung fallen zu müßen. Erwähnung des gegenwärtigen Regenten (Kurfürst Karl Friedrich von Baden). - J. G. Primavesi habe sie um eine Empfehlung an G. gebeten, und da die Darstellung des Heidelberger Schlosses G. nicht unangenehm sein werde, habe sie seinen Wunsch nicht abgeschlagen. - Vor etwa 14 tagen habe sie einen Freundschaftlichen brief von K. E. Goethe erhalten, die sie daraufhin mit all Ihrer MuntterKeit und geistes Kräften vor sich gesehen habe. - J. H. Jung von Marburg wohne nun in Heidelberg, genieße eine Pension von f 1 500 vom Kurfürsten Karl Friedrich von Baden und erteile Unterricht in der Augenheilkunde. Über die langsame Neuorganisation der Universität Heidelberg im Gegensatz zu Würzburg. Es fehle an finanziellen Mitteln, und da die Universität seit mehr als 50 Jahren eine Jesuitenschule sei, falle es schwer, auswärtige Gelehrte aller Fächer heranzuziehen. Vor vier Wochen habe G. A. Succow einen Ruf von München nach Würzburg erhalten, doch werde man ihn zu halten suchen. - Dringender Wunsch, daß der natürliche Gesunde MenschenVerstand erwachen möge und dem Volck Gesetze gegeben werden, die mit seiner lage harmonirten [...], aber wie Vielle Revolutionen werden noch kommen müßen, bis die Menschen werden, was Sie seyn könnten - und seyn sollten. - G. möge immer nach ihren Wünschen leben und wirken.

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