Brief

Von Karl Philipp Moritz (6. Juni 1789)

M. entschuldigt sein Schweigen mit seinem schlechten Befinden; denn wir müssen nur Lebensbriefe an einander schreiben und altes muss von Folgen seyn. - Ausführliche und begeisterte Besprechung des "Torquato Tasso". M. habe die Lektüre entzückt und [...] Beruhigung und Freude gegeben. Der Tasso ist nun einmal das höchste Geistige, die zarteste Menschheit, welche auch von der sanftesten und weichsten Umgebung gedrückt, sich ihrer Auflösung nähert [...]. - M. sei gegenwärtig ganz mit dem Werther beschäftigt und wolle über acht Tage [...] schon einen Theil des Mspts. ("Über ein Gemälde von Goethe") an G. schicken. - Reflexionen über echte Kunstwerke. M. habe bei seinen Vorlesungen in Berlin aufmerksame Hörer. Für deren Kunstverständnis wäre es jedoch gut, wenn A. Trippel als Lehrer nach Berlin käme, wofür er die Zustimmung der Minister E. F. Graf von Hertzberg und F. A. von Heynitz zu erlangen hoffe. - M. gebe die "Monatsschrift der Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften" zur Zeit allein heraus. Bitte um G.s Meinung zu M.s Affaire mit J. H. Campe. M. sei nun auch kontraktlich gebundener Mitarbeiter der "Allgemeinen Literaturzeitung" geworden: Die Recension über die bildende Nachahmung ete. von F. Rehberg steht noch nicht darinn, und auch die Ihrige noch nicht im Mercur. - Frage, ob G. wie vereinbart in M.s Auftrag 20 Dukaten an J. H. Meyer nach Rom gesandt habe.

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