Tagebucheintrag
Reisetagebuch Italien 1786, 13. September 1786
d 13 Sept.
Wenn man mit dem Wasser zu thun hat, kann man nicht sagen:ich werde heut da oder da seyn.
Ich bin in Malsesine dem ersten Orte des VenetianischenStaats an der Morgenseite des Sees. Nun noch einiges von Torbole so heißt der Hafen wo ich gestern blieb.
Der Gasthof hat keine Schlösser an den Thüren, und der Wirth sagte mir ich könnte sicher seym, und wenn alles Diamanten wären was ich bey mir hätte. Sodann die Zimmer keine Fenster,sondern Oelpapierne Rahmen und es ist doch köstlich drinneseyn, drittens keinen Abtritt. Du siehst also daß man dem Naturzustandehier ziemlich nah kommt. Als ich nach meiner Ankunft den Hausknecht nach einer Bequemlichkeit fragte, deuteteer in den Hof: qui abasso! puo servirsi! Ich fragte dove? er antwortete per tutto, dove vuol. Durchaus zeigt sich eine Sorglosigkeit,doch Geschäfftigkeit und Leben genug und den ganzen Tagverführen die Nachbarinnen ein Geschwätz und Geschrey, haben aber immer was zu schaffen und zu thun. Ich habe nochkein müßiges Weib gesehn.
Köstliche Forellen |: Trutte :| werden bey Torbole gefangen, wo der Bach vom Gebürge herunter kommt und der Fisch den Weghinauf sucht. Der Kayser erhält von diesem Fang 10/m f Pacht.
Es sind keine eigentliche Forellen, sie sind bis auf 50 ℔ schweer,über den ganzen Leib bis auf den Kopf hinauf puncktirt. DerGeschmack ist zwischen Forelle und Lachs, sehr zart und trefflich.
Mein eigentlich Wohlleben ist aber in Früchten; Feigen ess ich den gantzen Tag. Du kannst dencken daß die Birn hier gut seynmüßen wo schon Zitronen wachsen. Heute früh fuhr ich umdrey Uhr von Torbole ab mit zwey Ruderern, einigemal wardder Wind günstig daß sie das Seegel brauchen konnten, aber wirkamen nicht weit unter Malsesine als der Wind sich völlig umkehrte seinen gewöhnlichen Tagweg nahm und nach Nordenzog. Das Rudern half wenig gegen die übermächtige Gewalt undwir mußten in den Hafen von Malsesine einlaufen.
Der Morgen war herrlich wolckig und bey der Dammrung still.Ich habe einige Linien gezogen. Wir fuhren bey Limona vorbey, dem die Berggärten, die terrassenweis angelegt sind und worinndie Citronenbäume stehen ein reinliches und reiches Ansehngeben. Der ganze Garten besteht aus reihen von weißen vierecktenPfeilern, die in einer gewißen Entfernung von einanderstehn und deren Reihen hinter einander den Berg hinauf rücken. Uber diese Pfeiler sind starcke Stangen gelegt um im Winterdie Bäume zu decken die dazwischen gepflanzt sind, sonst würden sie in diesem Klima noch leiden. Hier in Malsesine istauch so ein Garten, ich will ein Stück zeichnen.
Wie auch das Schloß das am Wasser liegt und ein schöner Gegenstandist.
Heute im Vorbeyfahren nahm ich eine Idee davon mit.
Ich betrübte mich heute früh daß ich nicht mehr zeichnen kannund freute mich, daß ich so viel kann. Wie mir auch Mineralogieund das bischen botanischer Begriff unsäglich viel aufschliesenund mir der eigentlichste Nutzen der Reise bis jetztsind.
Gestern hab ich meinen Mantel in den Koffer gethan in Veronamuß ich mir was leichtes auf den Leib schaffen es ist zwar nichtheis aber so recht innerlich warm, wovon ich seit solanger Zeitkeinen Begriff gehabt habe.
Abends
Die Lust dir das Schloß zu zeichnen, das ein ächter Pendant zudem böhmischen ist, hätte mir übel bekommen können. DieEinwohner fanden es verdächtig, weil hier die Gränze ist undsich alles vorm Kayser fürchtet. Sie thaten einen Anfall aufmich, ich habe aber den Treufreund köstlich gespielt, sie haranguirt und sie bezaubert. Das Detail davon mündlich.
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