Brief

Von Wilhelm Karl Grimm (20. September 1816)

Rücksendung des von G. mitgeteilten (Berliner) Planes zu einer Gesellschaft für die deutsche Geschichte (initiiert von K. vom und zum Stein, abgefaßt von F. Eichhorn und K. von Savigny), von dem Grimm eine Abschrift behalte. Savigny habe ihn schon im Frühjahr davon unterrichtet. Grimm billige den Plan und schlage vor, daß man mit dem Sammeln von Urkunden den Anfang mache. N. Kindlinger in Fulda habe bereits 1806 eine "Sammlung merkwürdiger Nachrichten und Urkunden für die Geschichte Deutschlands" in Leipzig bei (? G.) Fleischer herausgegeben, Domdechant A. L. Crux in Corvey soll schöne urkundliche Sammlungen besitzen und über das Kasseler Archiv könne dessen ehemaliger Leiter, U. Kopp, Auskunft geben; erwähnt: der gegenwärtige, mit anderen Arbeiten überhäufte Archivar (? W. Pfeiffer). An der Spitze der zu gründenden Landesgesellschaften sollte ein erfahrener Fachmann stehen. Zunächst müsse durch die Bildung einer Schule das Interesse geweckt werden. Besonders Landgeistliche solle man dafür gewinnen; erwähnt: J. D. von Steinens "Westfälische Geschichte". Die Regierungen sollten überall hauptamtliche Archivare anstellen. Die zur Unterhaltung der Gesellschaft nötigen Mittel könnten durch eine Schatzsammlung bei allen deutschen Fürstenhäusern erbracht werden. - Bemerkungen zu § 14 des Berliner Planes: Bei der Sammlung der Quellen sei das Altdeutsche am wichtigsten, nicht das Angelsächsische; erwähnt: die noch ungedruckte Handschrift der Evangelien-Harmonie (vgl. "Heliand oder die altsächsische Evangelien-Harmonie"), wovon eine in der Cottonianischen Bibliothek zu England überliefert sei. Über Editionsvorhaben von R. Rask; dabei erwähnt: Othars und Wulfstans Reise ("Ottars og Ulfstens korte Rejseberetninger"), die geplanten Anmerkungen zu dem von G. J. Thorkelin veröffentlichten angelsächsischen Gedicht ("De Danorum rebus gestis secul. III et IV"), die geplante angelsächsische Grammatik ("Angelsaksisk sproglaere"), die 1812 (richtig: 1811) von Rask herausgegebene isländische Grammatik ("Vejledning til det Islanske"), das von Björn Halldórsson 1814 unter Mitwirkung von Rask und mit einer Vorrede von P. E. Müller herausgegebene isländische Wörterbuch ("Lexicon Islandico-Latino-Danicum") sowie der Stand der Bearbeitung der Werke des Ulfilas (vgl. "Gothische Bibelübersetzung"), dessen in Uppsala überlieferte silberne Hs. in Schweden neu herausgegeben werden soll (vgl. "Codex argenteus sive sacrorum Evangeliorum"). - Für Schulgrammatiken und Handwörterbücher der deutschen Sprache des Mittelalters fehle es noch an Vorarbeiten. - Zu § 17 sei zu bemerken, daß die Handschriften aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges aus der Sammlung nicht ausgeschlossen werden dürften. - Grimm lege einen eigenen (gemeinsam mit seinem Bruder verfaßten) Plan zu einer Gesellschaft für altdeutsche Literatur zur Beurteilung bei, der in den Berliner Plan eingearbeitet werden könnte. Veranlassung dazu hätten die Commißion zur Bewahrung der Alterthümer in Kopenhagen und ein Brief von H. von Hammerstein (an Grimm) gegeben; längerer Auszug aus letzterem. Im Hamburg. Beobachter Nr. 397 ("Deutscher Beobachter oder privilegierte hanseatische Zeitung") lese Grimm von der Bildung einer Gesellschaft für skandinavische Geschichte durch Freiherrn von Stiernold (A. L. Stierneld) in Stockholm.

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