Normalzeugnis Zeugnis

J. H. W. Tischbein, Aus meinem Leben (Schiller 2, 96)

Beiläufig muß ich doch noch eines mir interessanten Vorfalles gedenken, den ich mit Goethe in der Locanda di Mariconi hatte. Goethe forderte Wasser zum Trinken, und da ich auf Alles Acht gab, was er zu sich nahm, so bemerkte ich, daß in dem Glase das Wasser trübe sei, warnte ihn und verlangte, daß man ihm anderes hole. Man erwiederte, daß man kein anderes hätte; es sei gutes, gesundes Wasser und aus der Cisterne, woraus sie Alle täglich tränken. Wir besahen es genau und fanden es voll lebender Insecten von wunderbaren Gestalten; krebs- und taschenkrebsartige, mit Scheeren und ohne Scheeren, aalförmige u. s. w., welche mit der lebhaftesten Bewegung durcheinander schossen. Goethe meinte: „Das Wasser kann gut sein; schmecken doch Austern und Krebse und andere Meererzeugnisse gut; aber das nicht allein, es kann auch heilsam sein.“ Er trank es, wir ließen uns die Cisterne zeigen und schöpften mit einem Glase aus dem Grunde die schönsten Gestalten von Geschöpfen hervor und machten dabei unsere Betrachtungen über die producirende Natur in dieser warmen Gegend.

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