Normalzeugnis Zeugnis
Caroline v. Dacheröden an W. v. Humboldt 19. 12. 1790 (Sydow 1, 337)
Mit Goethen möcht ich viel leben. Er hat für mich etwas sehr Anziehendes, so eine Geistes- und Herzensverschwebung ist sein ganzes Wesen. Aber dann kann er auch wieder wunderbar sein, drückend und leer, wenn er spricht, da, wo er glaubt, sprechen zu müssen. So ging es mir mit ihm, als er vor einigen Wochen mit der Herzogin hier war. Er ging mir fast nicht von der Seite, sprach so offen, so geistvoll und herzlich, aber wenn ein Dritter dazu kam, sprach er das fadeste Zeug, das man denken mag. Lili v. Beulwitz schrieb mir einmal, es sei schmerzlich, ein Wesen wie Goethe auch für Momente nur bloß dulden zu können. Und so ist’s. Die Weimaraner plagen und verschrauben ihn auch. Was für ein Lärm über das Kind August ist, ist unglaublich.
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