Normalzeugnis Zeugnis
Caroline Herder an Friederike v. Franckenberg (Konzept) 20. 8. 1795 (*Prß. Jbb. 43, 98; SB Berlin, PrK)
Mein Mann kam zurück ohne sich mit Göttingen einzulassen. Es wurde über die vorgeschlagenen Puncte des Herzogs verhandelt. Befremdend wars meinem Mann, daß ihn der Herzog mit 200 rh. jährl. Zulage zu halten gedachte. Unter 400 rh. Zulage bleibe ich nicht, sagte er zu Goethe; Canzlar der Universität Jena will ich nicht werden, wohl aber meinen Rath gerne geben. Die andern Puncte bleiben, ausser daß meiner Frau 300 rh. Wittwengehalt versichert werde. Der Herzog accordierte alles. Da nun die Geschäfte zugleich bestimmt wurden u. mein Mann die Kirchrechnungen u. Leichen abgab, so verlohr er dadurch an der Einnahme 112 rh. Jährl.; diese zu ersetzen leitete Goethe es also ein daß der Herzog zur einstweiligen Erziehung für Gottfried Jährl. ein Geschenk von 50 rh. u. eben so viel für August aussetzte. Die regier. Herzogin aber 50 rh. für Wilhelm. Als Goethe die Zusicherung dieser Geschenke mündlich überbrachte, sagte ich zu ihm in Gegenwart meines Mannes: damit glaubt doch der Herzog nicht, die Kosten des Studierens schon zu bezahlen? Nein, antwortete Goethe. Es ist aber doch nöthig, erwiederte ich, über diesen Punct eine schriftliche Versicherung vom Herzog zu haben. Goethe (unwillig), nein, das ist nicht nöthig; man muß den Herzog jetzt da er sich gutmüthig zeigt, durch eine solche Forderung nicht unwillig machen. Und hiemit ward die Sache geschlossen.
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