Normalzeugnis Zeugnis
Luise v. Knebel, Erinnerungen (STA Weimar, HA C, K 3 Bl. 10)
Zweite Fassung Das ich in 4 Wochen in den Theatralischen Abendtheuren auftreten solte; wozu Göthe einen kleinen Prolog verfertiget hatte; den ich her sagen sollte – der ungefähr in den Worten bestand; das ich als junges Mädchen von Berlin angekommen wäre; um zu versuchen ob ich das Glück haben würde; denen höchsten Herrschaften; als auch das ganze Publikum mit meinen Talent als Sängerin zu gefallen? Hätte ich das Glück des Beifalls; so würde ich in Weimar bleiben; wäre das nicht der Fall, so würde ich nach Beendigung dieser Oper Morgen schon Weimar verlassen; so lautete der Prolog; nachdem ich dieses gesprochen hatte; wurde ich mit ungemein Beifalsklatschen aufgenommen; Stimmen liessen sich vom Adlichen balkon, als von allen übrigen aufenthalten ins Theater hören; die mir zuriefen bleiben sie bleiben sie. – Ich war so beschämt als überrascht von all dieses Lobes das ich keine Worte des Dankes zu geben vermögte – ich wuste nicht wer ich war; noch was ich war – und saß bis zum Tod beschämt in der Garderobe hinter den Collissen – bald weint ich – bald lachte ich da ich mir unmöglich vorstellen konnte; dieses großen Beifalls zu verdienen – endlich als der Vorhang fiel; und man mich mit der Gewalt herausrief; ward ich verzweiflungsvoll; und wollte so heis ich war davon laufen. Da kahm Göthe auf das Theater Zusatz a. R.: Ich weis nicht hatte man Göthen von meiner Flucht die ich vons Theater machen wollte in Kenntniß gesetzt. und beruhigte mich; er sagte mir ich solte nur zufrieden sein; ich sollte nicht hervortreten; sollte mich aber meines allerhöchsten Beifalls erfreun; denn die Höchsten Herrschaften; als auch das ganze Publikum hätten sich unendlich über meinen Gesang; als auch über mein schönes Spiel erfreut; und mir auf diese Weise ihre große Freude zu erkennen gegeben u. so. w. Göthe sagte mir ich sollte zum Soupe zur Herzogin Amalia rüber kommen, der Wagen stände schon vors Theater, Göthe selbst begleitete mich zur Herzogin; wie ich ins Zimmer der Herzogin trat; fand ich die Herzogin, Ihre Hofdame Fräulein v. Göchhausen; Wieland, Herder, Major v. Knebel, Oberhofmeister v. Einsiedel, einen gewissen Gotter ?; einen gewissen Hofrath Bode Freund der Gräfin v. Bernsdorff; und Göthe u ich. Ich würde mich schämen; alle die Schmeichelein hier her zu schreiben, die ich diesen Abend von allenseiten einerntete.
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