Brief

Von Karoline Herder (21. September 1795)

H. informiert G. von einem Brief, den sie heute ohne Wissen ihres Mannes an die Herzogin Luise geschrieben habe, und zitiert die wesentlichen Puncte daraus: H. erinnert an die Bedingungen des Herzogs, unter denen ihr Mann im Sommer 1789 die Berufung nach Göttingen abgelehnt hatte und in Weimar geblieben war (vgl. RA 1, Nr. 358). Ihm sei damals auch zugesichert worden, daß das Studium seiner Söhne finanziert werde. Da er aber seit Ende 1793 eine Verstimmung des Herzogs gegen sich spüre, habe er ihn nicht an sein Versprechen erinnern können, zumal ihm eine Anleihe abgeschlagen worden sei. Da sich zur Zeit vier Söhne in der Ausbildung befänden, könne ihr Mann trotz allen Fleißes keine Rücklagen für die Tochter Luise und den jüngsten Sohn Rinaldo schaffen. Mehr als alle anderen Erwägungen habe ihn seine Verehrung für die Herzogin Luise in Weimar gehalten, von ihr erwarte H. jetzt Hilfe. Durch die Einsparung der Besoldung eines Kunsistorialrats sei Herder seit 1789 im Oberkonsistorium allein zur anhaltenden Arbeit gezwungen und fühle sich auch deswegen von seinem Landesherrn getäuscht. - H. erklärt, daß der Aufenthalt ihres Sohnes August in der Schweiz ihn vom Einfluß der höfischen Verhältnisse in Weimar befreien sollte, und bittet G. dringend, zu helfen, daß der Herzog die Bedingungen erfüllt.

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