Brief

Von Adalbert Schoepke (1. Januar 1818)

S. schildert seinen bisherigen Lebens- und Bildungsgang; erwähnt: sein religiöses Elternpaar, die Schriften von Abraham a Sancta Clara und Martin von Cochem in der Bibliothek seines Vaters, S.s Hinwendung zur Natur, Studien und künstlerische Betätigung in Prag, Kollegien bei B. Bolzano und Noviziat in einem strengen Orden. Wißbegier und Liebe zu den Wissenschaften hätten ihn hieher ins Priesterseminar geführt. Andeutungen über den Konflikt zwischen dem Papst und dem aufgeklärten Klerus von Leitmeritz; erwähnt: ein Breve, das Pius VII. über seinen Nuntius in Wien (P. Leardi oder Conte A. G. di Severoli) an den Bischof (J. F. Hurdalek) habe ergehen lassen, warnend vor Irrlehren, die unsers Hauses Präses (M. J. Fesl), ein zweiter ario, ein cancino (so stand es im ital. Berichte - wir übersetzten [...] Arius u. Kant) ausgestreut haben solle. - Über die Lese - Deklamations und Musik - Anstalten im Seminar und die große Beliebtheit von G.s Werken, 26 Bde bis izt ("Werke" Aa). Für die musikal. Akademien unter seiner Leitung arbeite S. gegenwärtig an der Vertonung von G.s Poesien. Um vom Verfasser selbst zu erfahren, ob er deren Sinn erfaßt habe, lege er einige Kompositionen mit Guitarr-Begleitung bei; erwähnt: weitere Kompositionen S.s, darunter einige bedeutendere Cantaten. Bitte um Antwort und zugleich um Aufschluß über die Gränzen der Nachahmung in der Tonkunst, den Berührungspunkt von Natur und Kunst in derselben und darüber, wie sich das Schöne in der Musick definiren lasse. - G. möge bei seiner zukünftigen Carlsbader Reise das Priesterseminar und den ihn hochachtenden Bischof besuchen.

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