Normalzeugnis Zeugnis
Knebel, Lebensskizze (Knebel, Lit. Nachl. 1, XXIX)
Im Herbst des Jahres 1775 ... kam ... Goethe zu uns ... Wie ein Stern, der sich eine Zeitlang in Wolken und Nebel verborgen hat, ging er auf. Jedermann hing an ihm, sonderlich die Damen. Er hatte noch die Werthersche Montirung an, und Viele kleideten sich darnach. Er hatte noch von dem Geist und den Sitten seines Romans an sich, und dieses zog an. Sonderlich den jungen Herzog, der sich dadurch in die Geistesverwandtschaft seines jungen Helden zu setzen glaubte. Manche Excentricitäten gingen zur selbigen Zeit vor, die ich nicht zu beschreiben Lust habe, die uns aber auswärts nicht in den besten Ruf setzten. Goethe’s Geist wußte indessen ihnen einen Schimmer von Genie zu geben. Er arbeitete dabei Manches zum Vergnügen der Gesellschaft ...
Nicht ganz ein Jahr danach kam auch Herder nach Weimar. Sein Verhältniß mit Goethe – der auch zu seiner Herberufung Gelegenheit gegeben hatte – war, so viel es die Umstände erlauben wollten – ganz gut; nur wollte er dessen Verhältniß zum Herzoge und die damit verbundenen Unregelmäßigkeiten nicht sehr billigen.
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