Normalzeugnis Zeugnis
J. L. Geist, Tagebuch 1. 10. 1797 (GSA Goethe XXIX O)
Da es vergangne Nacht sehr stark geregnet und auf den Bergspitzen geschneyt hatte so brachen wir Goethe, Meyer, Geist von hier diesen Morgen etwas später auf und gingen in einem artigen Wiesenthale ... Der letzte Ort in diesem Thal heißt zum Steg. Wir aßen hier ein wenig zu Mittag und Tranken ein Glas Wein um uns, indem wir nun unmittelbar den Berg St. Gotthard zu besteigen hatten, noch ein wenig zu stärken ...
Wir mußten hier in Wasen im Zollhause übernachten, die Wirthin, die wir hier trafen war schon bey uns vor äußerst geitzig ausgeschrien und wir waren noch keine Stunde da als sie ihren unersättlichen Geitz in folgender Anecdote bey uns zu erkennen gab:
Sie habe nämlich der Mutter Gottes angelobt alle Jahr bey Wasser und Brot einmal nach der oben geschilderten Wallfahrt Einsidel zu gehen und noch dazu Barfuß und dieses Gelübde gedenke sie auch bis an ihr Ende zu halten.
Bey dieser Reise, die wenigstens 8 Tage dauert, braucht sie also ganz und gar kein Geld oder doch wenig für Brod auszugeben, und ihre Schuh und Strümpfe zerreißen auf dieser Wallfahrt auch nicht. Doch ich breche von diesen Absurtitäten ab.
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