Normalzeugnis Zeugnis

Rieger S. 19

Noch eine Tatsache aus den Erinnerungen meiner Mutter. Sie hatte von der ihrigen Agnes Klinger gehört, daß diese als Kind von Goethe manchmal Märchen erzält bekam, sich aber dabei auszuhalten pflegte, daß es richtige Märchen und keine von seinen erfundenen sein müsten. Die Chronologie war keine starke Seite meiner Mutter und es fiel ihr nicht auf, daß was sie da berichtete in das achzehnte Lebensjar Klingers, geschweige in ein späteres, nicht recht passte, weil Agnes damals schon zwölf bis dreizehn Jare alt war, ein Alter wo gewitzte, früh reifende Mädchen sich schon weit lieber kunderbunte Erfindungen als ehrliche Überlieferungen vortragen lassen; von einer noch früheren Beziehung aber wuste sie nichts anzugeben, die es möglich machen würde sich vorzustellen, wie der heranwachsende neue Paris vor dem sechs- oder achtjärigen Kinde seine Kunst versuchte. Übrigens giengen die Klingerischen bei der Frau Rat aus und ein.

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