Brief
Von Friedrich Schiller (25. April 1797)
Daß die Foderung des Retardierens aus einem höhern epischen Gesetze folge, scheine S. ausser Zweifel zu seyn. Allerdings halte er G.s Formulierung dieses Gesetzes, derzufolge eigentlich nur das Wie und nicht das Was in Betrachtung komme, für zu allgemein. S. sehe den Unterschied zwischen dem Epiker und dem Dramatiker darin, daß die Darstellung einer Handlung für den Dramatiker der Zweck, für den Epiker dagegen bloßes Mittel zu einem absolutern aesthetischen Zwecke sei. Stoffe, in denen die Handlung zu sehr als Zweck interessiert, um sich in den Grenzen eines bloßen Mittels zu halten, seien deshalb für den Epiker ungeeignet. - In dieser Hinsicht habe S. auch bei G.s Plan zu dem Epos "Die Jagd" einige Befürchtungen. Die Art wie Sie Ihre Handlung entwickeln wollen, scheint mir mehr der Comödie als dem Epos eigen zu seyn. Auch W. von Humboldt glaube, daß es dem Plan an individueller epischer Handlung fehle. Unabhängig davon werde die "Jagd" im Vergleich zu "Hermann und Dorothea" immer eine andere Gattung seyn, und je nachdem, inwieweit dieses nur eine epische Art oder die ganze Gattung darstelle, werde man auch das neue Gedicht als episch klassifizieren können. Ich würde Ihr neues Gedicht geradezu ein komisch episches nennen [...]. Erläuterung dazu. - Zum Problem der Exposition in Epik und Dramatik unter Erwähnung von Shakespeares "Komödie der Irrungen" und "Macbeth" sowie Sophokles' "Oedipus rex": In einem epischen Werk dürfe die Exposition nicht interessieren, weil sie zu etwas führt, sondern weil sie selber etwas ist. Dagegen müsse man dem unter der Categorie der Causalitaet stehenden Dramatiker zubilligen, den Anfang mehr als Mittel zu behandeln. - Bitte um nähere Mitteilung zur Regenspurger Friedens-Nachricht (vgl. Vorfriede von Leoben vom 18. April). - Dank für G.s Nachricht von dem Duisburger Unternehmen (von J. Böninger und J. P. Langer). - W. von Humboldt habe Jena für mehrere Jahre verlassen. Reflexionen über das dadurch bedingte mutmaßliche Ende des gegenseitigen Verhältnisses.
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Weitere Quellen- Brief und Korrespondenz