Brief
An Johann Friedrich Cotta (1. Juni 1805)
An Cotta.
Auf Ihre Anfrage, werthester Herr Cotta, ob man nicht unserm Schiller ein Trauerdenkmal auf dem deutschen Theater setzen sollte, kann ich gegenwärtig nur so viel sagen, daß ich auf mannichfaltige Weise dazu aufgefodert bin. Nach meiner Überzeugung soll die Kunst, wenn sie sich mit dem Schmerz verbindet, denselben nur aufregen, um ihn zu mildern und in höhere tröstliche Gefühle aufzulösen; und ich werde in diesem Sinne weniger das, was wir verloren haben, als das, was uns übrig bleibt, darzustellen suchen.
Mein Plan ist gemacht und ich hoffe ihn nächstens auszuführen; doch wüßte ich keinen Termin zu bestimmen. Gelingt es mir eine der Aufgabe nicht ganz unwürdige Arbeit hervorzubringen; so bin ich wohl geneigt, solche auch andern Theatern abzulassen, und würde zu diesem Zweck Manuscript und Partitur Ihnen mit Vergnügen zustellen. Ich wünsche bald mehr sagen zu können, indessen aber zu vernehmen, daß Sie glücklich nach Hause gekommen sind.
Weimar den 1. Juni 1805.
Goethe.
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