Brief
Von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (20. Juli 1817)
Dank für die Anerkennung seiner (gegen Newtons Theorien gerichteten) Äußerungen über die Farbenlehre (in: "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften", vgl. Ruppert 3059), die G. durch S. Boisserée habe übermitteln lassen (vgl. RA 7, Nr. 1111). Freude über das übersandte Heft (Teile von "Zur Naturwissenschaft überhaupt" I 1). Er verdanke G. die richtige Erkenntniß der Natur des Lichts; auch habe ihn die Auflösung des Rätsels (Erklärung der Spiegelungs- und Lichtbrechungserscheinungen) überrascht. H. bewundere in G.s Betrachtung der Naturerscheinungen die Abstraktion. G. habe die Entdeckungen E. L. Malus' über die Spiegelung und doppelte Strahlenbrechung erst zum Gedanken erhoben. - Bezugnahme auf den ersten Aufsatz in dem übersandten Heft (G. "Doppelbilder des rhombischen Kalkspats") und Bemerkungen über Spiegelungserscheinungen beim Kalkspat. Ebenso haben die anderen Aufsätze (G. "Elemente der entoptischen Farben" und "Zur Kenntnis der böhmischen Gebirge") H.s Erkenntnisse bereichert. Letzterer habe ihm die gemeinsame Besichtigung der von G. mitgebrachten Karlsbader Gesteinsarten in Jena (im Oktober 1806) in Erinnerung gebracht. Hinweis auf die ebenso tieffen als heitern Zeilen zur Einführung in die Aufsatzsammlung (G. "Weite Welt und breites Leben ..." und "Im Namen dessen ..."; vgl. WA I 3, 71 und 73). - Wenn G. die neuern Bestrebungen H.s verfolgen wolle, möge er H.s Hauptzweck, allgemeinen Analogien, phantastischen Combinationen, und dem blossen sogenannten Anschliessen zu entsagen, nicht ganz verfehlt finden.
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