Normalzeugnis Zeugnis
Tagebuch 4. 9. 1797 (WA III 2, 121)
Nachdem ich früh verschiedenes zu Papiere gebracht und einige Briefe besorgt hatte, ging ich mit Herrn Professor Dannecker spatzieren und ich beredete hauptsächlich mit ihm meine Absichten, wie Isopi und Thouret auch für unsere weimarischen Verhältnisse zu nutzen seyn möchten. Zu Mittag speiste ich an der Table d’hote, wo sich ein junger Herr von Liven, der sich hier bey der russischen Gesandtschaft befindet, als ein Sohn eines alten academischen Freundes mir zu erkennen gab.
Hernach besuchte ich Herrn Beiling, dessen Frau sehr schön Clavier spielte, er ist ein sehr passionirter Liebhaber der Musik, besonders des Gesanges.
Aus den brillanten Zeiten des Herzog Karls, wo Jomelli die Oper dirigirte, hat sich der Eindruck und die Liebe zur italiänischen Musik bey ältern Personen hier noch lebhaft erhalten ...
Von da zur Frau Legationsrath Abel, wo ich die beyden schönen Bilder, die ich bey Herrn von Madeweiß gesehen, nochmals wiederfand. Außer diesen war noch eine fürtreffliche und wohlerhaltene Landschaft von Nikolaus Poussin und noch ein andrer Claude aus einer frühern Zeit, aber unendlich lieblich. Nach einem Spatziergang auf die Weinbergshöhen, wo man Stuttgard in seinem Umfange, und seinen verschiednen Theilen liegen sahe, gingen wir ins Theater ...
Man gab Ludwig den Springer ...
Die Stuttgarder sind überhaupt mit ihrem Theater nicht übel zufrieden, ob man gleich auch hier und da darauf schilt.
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