Brief

Von Christian Friedrich Tieck (21. Februar 1824)

Im Auftrag W. von Humboldts übersende T. in einem durch P. Kaufmann zur Beförderung gegebenen Kistchen einen Abdruk der Trümmer des geglaubten MinervenKopfs aus den Giebel des Parthenons. Der Sendung habe er 16 Kupfer- und Bleimünzen beigefügt, mit denen G. seine Sammlung ergänzen könne. Ausführlich über H. F. Brandt, den Schöpfer der Münzen, der in Paris bei J. P. Droz und L. David ausgebildet worden sei, und dessen Arbeiten. Da man ihm in Berlin zu wenig Gerechtigkeit widerfahren lasse, möge G. ihm in "Über Kunst und Altertum" oder in einer anderen Publikation erwähnen. - Aufzählung und detaillierte Beschreibung der übersandten Münzen und Medaillen; dabei erwähnt: Papst Pius VII., König Ludwig XVIII. von Frankreich, B. Thorvaldsen, Luther, Calvin, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Zar Alexander von Russland, eine Medaille zur Feierlichkeit des Fürstlich Homburgischen Hauses (goldene Hochzeit des Landgrafen Friedrich V. Ludwig von Hessen und seiner Frau Karoline), K. F. Schinkel, Prinzessin Marianne und Prinz Wilhelm von Preußen, P. Beuth, Fürst Blücher, E. L. Heim sowie die Hochzeit von Prinzessin Alexandrine von Preußen und Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg-Schwerin. - Die Arbeiten Brandts möge man mit denen anderer Medailleure vergleichen, z. B. mit denen in den lezten Zeiten in Muenchen geschnittenen. Die mit dem Bildnis F. von Jacobis, die zudem nach T.s Büste verfertigt sei (von J. Losch), habe T. in Erstaunen versetzt. - Von der neuen Technik, die Brandt bei der Herstellung der Münzen anwende und die im Vergleich zur älteren, u. a. von D. Loos und den früheren Berliner Künstlern angewandten Technik besser, wenn auch schwieriger sei; erwähnt: A. Abramson. - Über die Entwicklung der Münztechnik in Frankreich; erwähnt: B. Andrieu und K. Hedlinger, die nur vertieft geschnitten hätten. Seit Brandts Wirken in Berlin hätten die jungen Stempelschneider wie G. Loos, F. König, G. Goetze und K. F. Voigt begonnen, in Stahl erhoben zu schneiden; zum jetzigen Aufenthalt der drei Letztgenannten. - Über den hiesigen Medailleur J. L. Jachtmann und dessen Münze mit dem Bildnis Dürers. - Über T.s gegenwärtige Tätigkeit, darunter eine Marmorbüste von F. A. Wolf und die im Theatergebäude aufzustellende Statue A. W. Ifflands. - Dass man sich von Frankfurt aus wegen des G.-Denkmals nicht an T., sondern an C. Rauch gewandt habe, schmerze ihn; wie sehr ich auch Rauchs Freu[n]d bin kann ich mich doch des Neides nicht erwähren daß ihn in so vieler Rüksicht daß Glük mehr begünstigt, und daß Glük Ihr Bildniß in Marmor aufzustellen kann ich mit ruhigem Herzen Niemand gönnen. - Empfehlungen von Rauch. Er hoffe, dass G. seine erste Skizze mit dem beigelegten Abguss eines antiken Fragments erhalten habe (vgl. H. Meyer an Rauch, 1824 März 8, GRauch, Nr. 3).

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