Brief

Von Georg Friedrich Creuzer (24. Juni 1818)

Zunächst habe lange Krankheit C. daran gehindert, G. näheres über die Verfasserin jenes französischen Dialogs (J. Wyttenbach "Théagène"; vgl. RA 7, Nr. 1231) mitzuteilen, dann habe sie ein weiteres Buch für G. angekündigt ("Banquet de Léontis", Ruppert 1651), das der Pariser Commissionär aber erst jetzt geschickt habe. Biographische Mitteilungen zu J. Wyttenbach; erwähnt: ihr Vater (L. Gallien) und D. Wyttenbach. Im Auftrag der Autorin übersende C. das Werk. - Ausführliche Verteidigung seiner Betrachtungsart Homerischer Poesie; seine Studenten könnten bestätigen, daß C. im Unterricht den Homer rein als Dichter behandele, kein Wort aber verlautet von einem Hinterhalt, von geheimem Sein, Allegorie oder dergleichen; erwähnt: die "Odysee". Bei Herodot, in der Bibel und in alten bildlichen u. schriftlichen Denkmahlen des Morgenlandes habe C. gelernt, daß die allegorische Lehrart die älteste und verbreitetste in der ganzen Vorzeit gewesen sei. Dieses allegorische Colorith scheine auch im Homerischen Element durch. Die Homerisch-Griechische Cultur zeige die herrlichste Entwicklung der Menschheit und sei nothwendige Voraussetzung zum Christlichen gewesen; erwähnt: G. Hermann. - Bedauern über die Nachricht, daß G. in diesem Jahr nicht nach Heidelberg komme. - S. Boisserée nebst Bruder und Freund (J. B. Bertram) seien wohlauf.

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