Normalzeugnis Zeugnis

Cotta an Schiller 3. 10. 1797 (Vollmer S. 261)

Sie haben mir durch Ihr Schreiben vom 21 h. eine unbeschreibliche Freude gemacht, da ich mir nie träumen lassen konnte, bei Göthe so wol angeschrieben zu seyn. Bei einem so seltenen Mann wie diser ist, mus diß doppeltes Vergnügen verursachen und ich wünschte nur, sein günstiges Urtheil verdienen zu können. Ich werde die Stunden nie vergessen, die ich mit ihm zubrachte und nichts bedauern, als daß ich mit Ihnen und ihm nicht mein Leben zubringen kan; man wird in solchem Umgang ein ganz andrer Mensch und nie fült man den Werth und Unwerth des Menschen mehr, als wenn man aus solchen Beispielen sieht, was er werden kan, und aus seinem eigenen, was er nicht ist. Was Sie von den Vorteilen schreiben, wozu dises nähere Verhältniß mit G. mich führen könte, erkenne ich vollkommen, allein ich war zu schüchtern, in diser Hinsicht etwas zu erwähnen, weil ich für Alles in der Welt nicht wolte, daß mein Benemen gegen G. dadurch den Schein von Eigennuz bekäme, da mich diser nie leitete, sondern ich den Mann, den ich hochachtete und verehrte, ehren wolte. Nur einmal äusserte ich den Wunsch, auch in literarische Verbindung mit ihm tretten zu können, und er schien nicht ganz abgeneigt zu seyn.

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