Normalzeugnis Zeugnis
An Charlotte v. Stein 3. 11. 1779 (WA IV 4, 123)
Heute früh ist der Herzog mit mir und einem Jäger von Genf ab, Wedel mit den Pferden durch’s paï de vaud in’s Wallis. Wir, in einem leichten Cabriolet, mit vier Rädern, fuhren erst, Hubern auf seinem Landgute zu besuchen, den Mann, dem Geist, Imagination, Nachahmungsbegierde zu allen Gliedern heraus will, einen der wenigen ganzen Menschen, die wir angetroffen haben. Er sezte uns auf den Weeg und wir fuhren sodann, die hohen Schneegebürge, an die wir wollten, vor Augen, weiter. Vom Genfersee lauffen die vordern Bergketten gegen einander, biss da, wo Bonneville, zwischen der Mole, einem ansehnlichen Berge und der Arve, inne liegt. Da assen wir zu Mittag ... Wir hatten seit früh etwas Regen, wenigstens auf die Nacht befürchtet, aber die Wolken verliessen nach und nach die Berge und theilten sich in Schäfgen, die uns schon mehr gute Zeichen waren ... Gegen fünfe kamen wir nach Cluse ... Wir stiegen auf einen Berg und sahen unter uns die Stadt ... in die Fläche des Thals hingebaut, das wir mit vergnügten Bliken durchliefen und, auf abgestürzten Granitstüken sizend, die Ankunft der Nacht, mit ruhigen und mannichfaltigen Gesprächen, erwarteten ... In einem schlechten Wirthshaus, bei muntern und willigen Leuten, an deren Patois man sich erlustigt, erschlafen wir nun den morgenden Tag, vor dessen Anbruch wir schon unsern Stab weiter sezen wollen.
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